Bücher wie Ulldart — sieben Empfehlungen für Leser von Markus Heitz' Dunkle-Zeit-Saga

Wer Lodriks Weg gegangen ist — vom verfressenen Prinzen in der Provinz zum Kabcar von Tarpol, vom gutmütigen Herrscher zum moralisch ambivalenten Kaiser, der zuletzt den dunklen Mächten zu nahe kommt — kennt das Problem: Markus Heitz hat mit neun Bänden einen der politisch dichtesten deutschsprachigen Fantasy-Zyklen der letzten zwanzig Jahre vorgelegt. Und dann ist 2007 mit Fatales Vermächtnis Schluss. Kein zehnter Band, keine Rückkehr nach Ulldart. Die Frage nach dem nächsten Buch ist entsprechend schwierig — die meisten Empfehlungslisten verfehlen den Ton, weil sie Heitz reflexhaft über Die Zwerge positionieren und übersehen, dass Ulldart bewusst ohne Elben, Zwerge und Orks konzipiert wurde.

Dieser Artikel ist anders aufgebaut. Ich nenne sieben Fantasy-Reihen, die strukturell, tonal oder atmosphärisch genuin verwandt mit Ulldart sind — mit einer ehrlichen Einordnung, worin jede Empfehlung funktioniert und wo sie es nicht tut. Auch Wetherid selbst bekommt diese Einordnung, nicht als Werbung, sondern als weitere Option unter sieben.

Zwei Heitz-Artikel: Dieser Artikel befasst sich mit dem Ulldart-Zyklus — Heitz' politischer, völkerloser Fantasy-Saga. Für Leser von Die Zwerge, Heitz' klassischer Völker-Fantasy mit Tungdil Goldhand, gibt es einen eigenen Vergleichsartikel: Bücher wie Die Zwerge.

Was Ulldart auszeichnet

Bevor man sinnvoll vergleicht, muss man benennen können, was Ulldart trägt. Heitz' Debüt-Signatur besteht aus einer Handvoll Elementen, die in dieser Kombination im deutschsprachigen Raum selten sind.

Sieben Empfehlungen für Ulldart-Leser

1. T. S. Orgel — Die Blausteinkriege

Trilogie · 2015–2017 · Heyne

Politische Fantasy · Zerfallendes Imperium · Multi-POV · Menschen-Fokus ohne Völker

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Die Orgel-Brüder Tom und Stephan Orgel sind die zeitgenössischen deutschen Autoren, deren politische Fantasy Heitz' Ulldart am nächsten kommt. Das Kaiserreich Berun im Niedergang, drei Hauptfiguren (Marten der Schwertmann, Sara die Spionin, Danil der in Ungnade gefallene Adlige) und das Blaustein-Magie-System als ökonomische Grundlage der politischen Konflikte — das sind strukturell die Ulldart-Qualitäten in anderer Welt-Ausprägung. Drei Bände, abgeschlossen, Deutscher Phantastik Preis für das Debüt der Orgels.

Warum für Ulldart-Leser: Gleiches Fundament — Orgel teilt mit Heitz in Ulldart den bewussten Verzicht auf Elben, Zwerge und Orks. Die Welt ist menschlich, die Konflikte sind politisch, die Antagonisten sind Intriganten mit nachvollziehbarer Logik. Wer Lodriks Entwicklung unter Mortva Nesrecas Einfluss schätzte, findet bei Orgel die gleiche moralische Grautönung in anderer Besetzung.

Einschränkung: Orgels Trilogie ist mit drei Bänden deutlich kompakter als Ulldart. Wer die neunbändige Entfaltung von Ulldart genoss, muss sich bei Orgel auf einen geschlosseneren Bogen einstellen. Außerdem fehlt die Prophezeiungs-Struktur, die Heitz als Plot-Motor nutzt — Orgel arbeitet offener, ohne vorbestimmten Rahmen.

2. Richard Schwartz — Das Geheimnis von Askir

7 Bände + Folgezyklus · seit 2006 · Piper

High Fantasy · Zerfallenes Imperium · Ensemble-Reise · Deutsche Fantasy-Tradition

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Schwartz erschien zeitgleich mit Heitz' Ulldart im selben Piper-Verlag und gehört zur selben Generation deutschsprachiger Fantasy-Autoren. Havald, ein alter Krieger aus Letasan, reist mit wachsendem Ensemble durch das zerfallene Imperium Askir, während der Nekromantenkaiser Kolaron Malorbian eine Invasion vorbereitet. Sieben Hauptbände Askir, danach Die Götterkriege als Siebenteiler — insgesamt vierzehn Bände in derselben Welt.

Warum für Ulldart-Leser: Gleiche politische Grundlogik einer Welt, die ihre Vergangenheit größer ist als ihre Gegenwart. Das einst zentrale Imperium hat sich in sieben Königreiche zerlegt — jedes mit eigenen Machtverhältnissen. Das entspricht Ulldarts politischer Topologie aus Tarpol, Kensustria, Rogogard, Tersion und weiteren Reichen. Ähnliche Bereitschaft zu ausgedehnter Welt-Entfaltung, ähnliches Vertrauen in den langen Atem der deutschen Fantasy-Tradition.

Einschränkung: Schwartz erzählt in Ich-Perspektive aus Havalds Sicht, nicht Multi-POV wie Ulldart. Wer bei Heitz gerade die Perspektivenvielfalt — Lodrik, Mortva, Tokaro, Govan, Zvatochna — als Kernstärke schätzt, muss sich bei Schwartz auf eine engere Erzählhaltung einstellen. Außerdem hat Schwartz klassische Fantasy-Völker (Halbelfen, Dunkelelfen), die Ulldart bewusst weglässt.
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3. Tad Williams — Shadowmarch / Das Geheimnis der Großen Schwerter

Shadowmarch 4 Bände / Osten Ard 4+ Bände · seit 1988 · Klett-Cotta / Hobbit Presse

Epische Fantasy · Politische Dichte · Multi-POV · Hohe literarische Tonalität

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Tad Williams wird von Ulldart-Leserrezensionen wiederholt als Vergleichsautor genannt — besonders sein Shadowmarch-Zyklus zeigt die strukturelle Verwandtschaft. Die Königskinder Briony und Barrick Eddon müssen ihr Reich vor einer Invasion aus dem Norden verteidigen, während innere Intrigen den Hof spalten. Williams arbeitet mit vielschichtigen Figuren und politisch dichten Höfen. Osten Ard (Das Geheimnis der Großen Schwerter und Folgezyklus Der letzte König von Osten Ard) erweitert Williams' Welt über Jahrzehnte.

Warum für Ulldart-Leser: Gleiche Multi-POV-Dichte, gleiche politische Komplexität, gleiche Bereitschaft zu langen epischen Bögen. Williams' Briony-Eddon-Figur funktioniert strukturell wie Lodrik — eine junge Herrscherfigur, die ins kalte Wasser geworfen wird und durch Fehlentscheidungen moralisch ambig wird. Hohe literarische Qualität, die im Shadowmarch-Zyklus in der deutschen Übersetzung gut getroffen ist.

Einschränkung: Williams hat klassische Fantasy-Völker (Qar im Shadowmarch, Sithi in Osten Ard), die Ulldart bewusst weglässt. Außerdem ist Williams' Prosa literarisch dichter und langsamer als Heitz' direkterer Erzählton — wer bei Ulldart die schnelle, zugängliche Sprache schätzt, muss sich bei Williams auf mehr Prosa-Atmosphäre einstellen.
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4. Robin Hobb — Die Weitseher-Trilogie

3 Hauptbände + Fortsetzungszyklen · seit 1995 · Penhaligon / Blanvalet

Politische Intrigen · Hofkultur · Psychologische Tiefe · Königshof

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Fitz, unehelicher Sohn eines Königssohns, wird am Hof seines Großvaters zum königlichen Attentäter ausgebildet — Spion, Bote, Werkzeug der Krone in einem Reich, das durch äußere Feinde und innere Intrigen bedroht ist. Hobb schreibt in Ich-Perspektive, langsam, psychologisch dicht, mit einer Fähigkeit, Figuren über tausende Seiten altern zu lassen. Die Fortsetzungszyklen — Zauberschiffe, Legende vom Weitseher, Chronik der Weitseher — führen die Welt über sechzehn Bände durch mehrere Generationen.

Warum für Ulldart-Leser: Gleiche politische Grund-Architektur einer Hof-Erzählung mit tückischen Ratgebern, Prätendenten und moralisch kompromittierten Figuren. Fitz' Verhältnis zu seinem Mentor Chade ist strukturell vergleichbar mit Lodriks Verhältnis zu Mortva Nesreca — mit dem Unterschied, dass Chade letztlich loyal ist und Mortva nicht. Wer bei Ulldart die Intrigenstruktur schätzt, findet bei Hobb die psychologisch tiefere Version davon.

Einschränkung: Hobb arbeitet in Ich-Perspektive, nicht Multi-POV wie Ulldart. Die Welt entfaltet sich langsamer, introspektiver. Wer bei Heitz das schnellere Tempo und die Perspektivenwechsel zwischen Lodrik, Mortva und Tokaro schätzt, muss sich auf Hobbs meditative Erzählhaltung einstellen.
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5. George R. R. Martin — Das Lied von Eis und Feuer

5 Bände (10 in deutscher Splittung) + zwei offene · seit 1996 · Blanvalet / Penhaligon

Politische Fantasy · Multi-POV · Moralische Grauzonen · Herrscherhäuser

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Martins Saga um die Sieben Königslande ist der westliche Referenzrahmen für politische Fantasy. Die Starks, Lannisters, Targaryens und weitere Häuser kämpfen um den Eisernen Thron, während aus dem Norden die Anderen und aus dem Osten die Drachen zurückkehren. Multi-POV über mehrere Kontinente, moralisch ambivalente Figuren, kein eindeutiges Gut-Böse-Schema. Fünf Bände erschienen, zwei weitere seit 2011 in Bearbeitung.

Warum für Ulldart-Leser: Amazon-Leser vergleichen Ulldart direkt mit Game of Thrones — der Vergleich trägt für die politische Tiefe und die Multi-POV-Struktur. Martins Tyrion Lannister funktioniert als Figur strukturell ähnlich wie Heitz' Lodrik — verspottet, unterschätzt, intellektuell überlegen, moralisch ambig. Für Ulldart-Leser, die bisher ausschließlich deutschsprachige Fantasy gelesen haben, ist Martin der naheliegende Sprung in die englischsprachige Tradition.

Einschränkung: Martin hat die Saga seit 2011 nicht abgeschlossen — die letzten beiden Bände fehlen. Wer bei Ulldart die abgeschlossene Neunteilerstruktur schätzt, muss sich bei Martin auf eine offene Warteposition einstellen. Außerdem ist Martins Welt düsterer und zynischer als Heitz' Ulldart — weniger Hoffnung auf Erlösung, härtere Grimdark-Komponenten.
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6. Bernhard Hennen — Elfenritter

Trilogie · 2007–2008 · Heyne

Political Fantasy · Religiöser Antagonist · Multi-POV · Geschlossene Trilogie

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Hennens Elfenritter-Trilogie ist die politisch geschärfte Variante seines Albenmark-Weltenbaus. Die Tjuredkirche, ein fanatisches religiöses System, verfolgt die nichtmenschlichen Völker mit der Rigorosität einer Inquisition. Gishild, die Prinzessin des Fjordlandes, und Luc, der Novize der Ordensritter, waren als Kinder unzertrennbar — als Erwachsene stehen sie an der Spitze verfeindeter Heere. Drei Bände, geschlossener Bogen, mit Multi-POV-Struktur.

Warum für Ulldart-Leser: Gleiche politische Dichte, gleiche Bereitschaft zu moralisch komplexen Antagonisten. Die Ordensritter sind keine Schurken, sondern Gläubige — wie Heitz' Mortva Nesreca handeln sie aus einem in sich kohärenten System heraus. Wer bei Ulldart die moralischen Grauzonen mag, findet bei Hennen die religiöse Variante davon. Hennen erschien im selben Zeitraum wie die späten Ulldart-Bände und teilt die deutsche Fantasy-Erzähltradition der 2000er-Jahre.

Einschränkung: Hennen arbeitet mit einer breiten Völker-Taxonomie — Elfen, Trolle, Lutin, Menschen. Das ist der zentrale Unterschied zu Ulldart, das bewusst völkerfrei ist. Wer bei Heitz gerade den Verzicht auf klassische Fantasy-Rassen als Stärke empfand, muss sich bei Hennen auf eine andere Welt-Architektur einstellen.
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7. Christian Dölder — Die Hüter der Sieben Artefakte (Wetherid II)

Geplant 4 Bände · Band 1 & 2 erschienen · seit 2022 · Verlag Christian Dölder Saga des Autors dieser Liste

High Fantasy · Multi-POV · 9 unabhängige Antagonisten · Politisch komplex

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Die Hüter der Sieben Artefakte bilden den zweiten Zyklus der Chroniken von Wetherid und sind im Wetherid-Kosmos das engste Ulldart-Pendant. Sechs bis acht Handlungsstränge laufen parallel: am Hof des Großherzogs von Astinhod, in den Nebelmooren, bei den Schmieden Fallgars, in den Hochtälern der Elfen. Neun unabhängig motivierte Antagonisten verfolgen eigene Ziele, ohne gemeinsamen Plan — darunter der Ork-Schamane Gorzod Grauschwinge, die Kapitalistin Merdiva, der fatalistische Magier Azrakel und der Grauzwerg-König Brumir. Keine monolithische dunkle Macht, sondern eine politische Topologie aus konkurrierenden Interessen. Wetherid ist vom Alpenraum inspiriert und bringt eine ungewöhnliche geografische Textur in die deutsche Fantasy ein.

Warum für Ulldart-Leser: Ulldart-Leser suchen Multi-POV-Politik mit moralisch komplexen Figuren und einer Antagonisten-Ebene, die über das klassische Schwarz-Weiß-Schema hinausgeht — das ist die Wetherid-II-Grundarchitektur. Wo Heitz mit Mortva Nesreca einen zentralen Intriganten schafft, arbeitet Wetherid II mit neun unabhängigen Akteuren, die teilweise nicht einmal voneinander wissen. Das ist eine Erweiterung der Ulldart-Logik, keine Abkehr davon.

Einschränkung: Der Zyklus ist nicht abgeschlossen — Band 3 erscheint Sommer 2026, Band 4 danach. Wer Ulldart gerade wegen der geschlossenen Form schätzt, muss sich bei Wetherid auf einen längeren Atem einstellen. Außerdem arbeitet Wetherid mit einer klassischen Völker-Taxonomie — Elfen, Zwerge, Oger, Orks, Kajirs —, während Ulldart diese bewusst weglässt. Wer die Menschen-Fokussierung von Ulldart als Stärke empfindet, muss sich bei Wetherid auf ein anderes Konzept einstellen.

Worin sich die Empfehlungen von Ulldart unterscheiden

Eine ehrliche Vergleichsliste muss auch die Grenzen ihrer Empfehlungen benennen. Keiner der obigen Autoren schreibt wie Markus Heitz in Ulldart — und das ist in Ordnung, weil niemand sollte. Was Ulldart allein macht, lässt sich in drei Punkten zusammenfassen.

Die neunbändige Lodrik-Entwicklung. Heitz hält Lodrik über sechs Bände im Zentrum, dann übergibt er in Zeit des Neuen an die nächste Generation. Diese generationenübergreifende Architektur ist bei den obigen Empfehlungen nur teilweise zu finden — Hobbs Weitseher-Fortsetzungszyklen funktionieren ähnlich, Martins Saga arbeitet mehrgenerational durch die Stark-Kinder, die anderen Empfehlungen sind kompakter. Wer bei Ulldart die psychologische Entwicklung vom Keks-essenden Prinzen zum moralisch ambigen Herrscher als Kernstärke empfand, wird die gleiche Tiefe nur bei wenigen Autoren wiederfinden.

Die Prophezeiung als strukturelles Motiv. Die Mehrdeutigkeit der Prophezeiung — "beim Tod des Prinzen" oder "wenn der Tod des Prinzen nicht eintritt" — ist ein spezifisches Erzählgerüst, das keiner der anderen Empfehlungen teilt. Martin arbeitet mit Prophezeiungen (Dany als Stallion Who Mounts the World, Azor Ahai), aber nicht als zentralem strukturellem Anker wie Heitz.

Die völkerlose Welt. Ulldart und Orgels Blausteinkriege bilden im deutschsprachigen Raum eine seltene Kategorie: politische Fantasy ohne klassische Völker. Schwartz, Hennen, Williams, Hobb und Dölder arbeiten alle mit Völker-Systemen, auch wenn in unterschiedlicher Gewichtung. Wer bei Heitz gerade die Menschen-Fokussierung als Stärke empfindet, muss bei den meisten Empfehlungen mit einer Anpassung leben.

Ulldart und Wetherid II — ein genauerer Blick

Dieser Abschnitt ist der einzige, in dem ich als Autor direkt über meine eigene Reihe spreche. Ich halte ihn kurz und sachlich, weil Ulldart-Leser keine Werbung wollen, sondern eine nachvollziehbare Antwort auf die Frage: Was erwartet mich, wenn ich umsteige?

Die Multi-POV-Struktur. Heitz arbeitet in Ulldart mit mehreren Perspektiven — Lodrik, Mortva, Tokaro, später Govan und Zvatochna. Die Hüter der Sieben Artefakte arbeiten mit sechs bis acht parallelen Strängen, verteilt auf mehrere Reiche und Gesellschaftsebenen. Das Grundprinzip ist dasselbe, nur breiter angelegt — mehr Figurenstränge, mehr politische Linien.

Die Antagonisten-Pluralität. Wo Heitz mit Mortva Nesreca einen zentralen Intriganten schafft, der Lodrik schleichend korrumpiert, arbeitet Wetherid II mit neun unabhängig motivierten Antagonisten. Der Ork-Schamane Gorzod Grauschwinge zwingt die dunklen Völker Fallgars in ein Bündnis. Merdiva operiert aus kapitalistischem Eigeninteresse. Azrakel handelt aus fatalistischer Überzeugung. Keine gemeinsame Agenda, keine monolithische Bedrohung — stattdessen eine politische Topologie aus konkurrierenden Kräften.

Die Völker-Frage. Hier liegt der größte Unterschied. Heitz schreibt Ulldart bewusst ohne klassische Fantasy-Völker. Wetherid arbeitet mit 21 Völkern, darunter vier Elfen-Unterarten (Hoch-, Wald-, Frost-, Nebelelfen), Ib'Agier-Zwerge, Grauzwerge, Oger, Orks, Kajirs, Untote. Wer bei Ulldart gerade den Verzicht auf diese Ebene schätzt, muss sich bei Wetherid darauf einstellen, dass Völker-Politik ein zentraler Plotfaden ist. Das ist eine handwerkliche Divergenz, keine Hierarchie — beides sind legitime Wege, epische Fantasy zu bauen.

Die Tonalität. Heitz schreibt mit direktem, zugänglichem Erzählton — kurze Sätze, schneller Pulsschlag. Wetherid schreibt paratachisch-trocken, verzichtet auf Pathos und auf Metaphern mit "wie" oder "als wäre". Das ist nicht besser oder schlechter, sondern eine andere Erzählhaltung — nüchterner, dichter, mit weniger dramatischer Ausschmückung. Wer Heitz gerade wegen des Tempos schätzt, sollte das beim Umstieg wissen.

Der Einstieg. Wetherid II beginnt mit Die Hüter der Sieben Artefakte Band 1. Wer zuerst die Welt-Grundlage möchte, beginnt mit Die Gabe der Elfen, dem Einzelband-Einstieg — der aber strukturell näher an klassischer Quest-Fantasy ist und damit weiter weg von Ulldart.

Häufige Fragen

Wie viele Bände umfasst die Ulldart-Saga von Markus Heitz?

Die Ulldart-Saga umfasst insgesamt neun Bände und ist abgeschlossen. Der erste Zyklus Die Dunkle Zeit hat sechs Bände (Schatten über Ulldart 2002, Der Orden der Schwerter, Das Zeichen des Dunklen Gottes, Unter den Augen Tzulans, Die Magie des Herrschers, Die Quellen des Bösen). Der Folgezyklus Zeit des Neuen umfasst drei Bände (Trügerischer Friede, Brennende Kontinente, Fatales Vermächtnis, 2006-2007). Alle Bände erschienen im Piper Verlag.

Was lesen Fans von Ulldart, wenn die Saga durch ist?

Die Ulldart-Saga ist abgeschlossen, daher müssen Leser zu anderen Autoren wechseln. T. S. Orgels Blausteinkriege bieten das deutschsprachige Pendant zur menschenbasierten Politik-Fantasy ohne klassische Völker. Richard Schwartz' Askir-Zyklus arbeitet mit zerfallenem Imperium und Ensemble-Reise. Robin Hobbs Die Weitseher und George R. R. Martins Das Lied von Eis und Feuer sind die englischsprachigen Klassiker des Genres. Christian Dölders Chroniken von Wetherid II arbeiten mit vergleichbarer Multi-POV-Struktur und neun unabhängig motivierten Antagonisten.

Unterscheidet sich Ulldart von Heitz' Die Zwerge?

Ja, deutlich. Ulldart ist Heitz' Debüt-Saga und bewusst ohne klassische Fantasy-Völker wie Elben, Zwerge oder Orks konzipiert. Der Fokus liegt auf politischen Intrigen, Herrscherhäusern und der psychologischen Entwicklung Lodriks vom verwöhnten Prinzen zum moralisch ambivalenten Kaiser. Die Zwerge hingegen ist klassische Völker-Fantasy mit Tungdil Goldhand als Findelzwerg und einer breiten Völker-Taxonomie. Beide Werke sind mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet, repräsentieren aber zwei unterschiedliche Seiten von Heitz' Schaffen.

Welche deutschsprachigen Fantasy-Autoren schreiben ähnlich politisch wie Heitz in Ulldart?

Im deutschsprachigen Raum arbeiten T. S. Orgel (Blausteinkriege), Bernhard Hennen (besonders im Elfenritter-Zyklus) und Richard Schwartz in ähnlich politischer Tradition. Orgel teilt mit Heitz sogar den bewussten Verzicht auf klassische Fantasy-Völker. Christian Dölders Chroniken von Wetherid II arbeiten mit vergleichbarer Multi-POV-Struktur und komplexer Antagonisten-Pluralität, allerdings mit einer klassischen Völker-Taxonomie im Hintergrund.

Wurde Ulldart als deutsche Antwort auf Game of Thrones wahrgenommen?

Ulldart erschien 2002, zeitgleich mit den mittleren Bänden von George R. R. Martins Saga. Leser haben die Parallelen wiederholt festgestellt: Multi-POV-Struktur, Herrscherhäuser mit Intrigen, moralisch komplexe Figuren, ein schwächelnder Kontinent. Eine Amazon-Leserrezension vergleicht Ulldart explizit mit Tad Williams' Shadowmarch und entfernt mit Game of Thrones. Heitz selbst hat die Reihe aber aus eigenen Wurzeln heraus entwickelt, nicht als Antwort auf Martin.