Bücher wie Das Geheimnis von Askir — sieben Empfehlungen für Richard-Schwartz-Leser

Wer sich durch Havalds Abenteuer gelesen hat — vom verschneiten Gasthof Zum Hammerkopf bis zum Kronrat, vom Kaiserhof in Askir bis zu den Götterkriegen — kennt das Problem: Richard Schwartz hat mit rund vierzehn Bänden einen Zyklus hinterlassen, an dessen Ende vor allem eine Frage steht. Was liest man jetzt? Die meisten Empfehlungslisten verfehlen den Ton. Sie nennen Sanderson, Rothfuss oder Martin, ohne zu berücksichtigen, was Askir tatsächlich ausmacht.

Dieser Artikel ist anders aufgebaut. Ich nenne sieben Fantasy-Reihen, die strukturell, tonal oder atmosphärisch genuin verwandt mit Schwartz sind — mit einer ehrlichen Einordnung, worin jede Empfehlung funktioniert und wo sie es nicht tut. Auch Wetherid selbst bekommt diese Einordnung, nicht als Werbung, sondern als weitere Option unter sieben.

Was Richard Schwartz' Bücher auszeichnet

Bevor man sinnvoll vergleicht, muss man benennen können, was den Askir-Zyklus trägt. Schwartz' Signatur besteht aus einer Handvoll Elementen, die in dieser Kombination selten sind.

Sieben Empfehlungen für Schwartz-Leser

1. Tad Williams — Das Geheimnis der großen Schwerter (Osten Ard)

Zyklus in 2 Teilen · 7 Bände · 1988–2024 · Klett-Cotta / Hobbit Presse

High Fantasy · Klassische Heldenreise · Untoter Fürst · Langsame Entfaltung

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Von allen englischsprachigen Zyklen ist Williams' Osten Ard der strukturell nächste Verwandte von Askir. Ein Küchenjunge namens Simon wird in die Machtkämpfe eines zerfallenden Reiches gezogen, in dem ein König durch einen unheiligen Pakt den untoten Fürsten Ineluki zurück ins Land ruft. Die Welt ist alt, die Völker — Sithi, Norns, Menschen — tragen jahrhundertelange Geschichte mit sich. George R. R. Martin hat Williams wiederholt als direkten Einfluss genannt.

Warum für Schwartz-Leser: Gleiche langsame Entfaltung, gleiche Gewichtung von Weltgeschichte über Schnelligkeit. Ein zweiter Zyklus (Das Letzte Königreich Osten Ard, 2017–2024) setzt Jahrzehnte später in derselben Welt fort — das Versprechen, nicht nach einem Band loslassen zu müssen.

Einschränkung: Williams braucht Geduld. Die ersten dreihundert Seiten des ersten Bandes sind bewusst behäbig. Wer Schwartz' Tempo-Mix aus Gasthof-Kammerspiel und Action erwartet, stößt hier auf eine andere Erzählökonomie.
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2. Bernhard Hennen — Elfenritter

Trilogie · 2007–2009 · Heyne

High Fantasy · Elfen-Ensemble · Politische Bündnisse · Krieg gegen Trolle

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Hennen ist der deutsche Autor, dessen Weltenbau Schwartz strukturell am nächsten kommt. Elfenritter folgt drei Elfenkriegern im Kampf gegen die Trollinvasion — mit einer Dichte an Kultur, Ritualen und politischen Linien, die an Schwartz' Askir-Bände erinnert. Die Elfen-Unterarten, die Hennen über seinen gesamten Zyklus entwickelt, sind sorgfältig voneinander abgegrenzt.

Warum für Schwartz-Leser: Ähnlicher archaischer Ton, ähnliche Freude am Völker-Worldbuilding, ähnliche Tragweite der politischen Entscheidungen. Wer Zokora als Figur schätzt, findet in Hennens Elfen ein ganzes Ensemble auf diesem Niveau.

Einschränkung: Hennen arbeitet stärker mit romantisch-tragischen Bögen und Reinkarnationsmotiven. Das moralische Koordinatensystem ist klarer als bei Schwartz — Gut und Böse sind deutlicher markiert, die Grauzonen kleiner.
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3. T. S. Orgel — Die Blausteinkriege

Trilogie · 2015–2017 · Heyne

Political Fantasy · Multi-POV · Zerfallendes Königreich · Intrigen

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Die Brüder Tom und Stephan Orgel haben mit den Blausteinkriegen das seltenste deutsche Fantasy-Produkt geschrieben: einen politisch komplexen Multi-POV-Zyklus, der bewusst in der Tradition von George R. R. Martin steht. Der Heyne-Verlag vermarktete die Reihe als "deutsche Antwort auf Game of Thrones" — und anders als in vielen solchen Fällen trägt das Etikett tatsächlich.

Warum für Schwartz-Leser: Gleiche Grundspannung — ein altes Reich bröckelt, die Macht fragmentiert sich, mehrere Figurenstränge laufen parallel. Wer an Askir die Intrigen zwischen den sieben Königreichen mochte, bekommt hier die konzentrierte Form davon.

Einschränkung: Die Trilogie ist abgeschlossen, kein Nachfolger in Sicht. Nach drei Bänden ist Schluss — für Schwartz-Leser, die an zehn oder vierzehn Bände gewöhnt sind, ein kurzer Besuch.

4. Torsten Weitze — Der 13. Paladin

13 Bände · seit 2017 · Bene Bücher Verlag

Klassische High Fantasy · Paladin-Figur · Quest-Ensemble · Langer Zyklus

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Weitze ist der große Audible-Sleeper der deutschsprachigen Fantasy. Über zehn Bände hinweg erzählt er die Geschichte eines jungen Paladins und seiner Gefährten — klassisch strukturiert, ohne Grimdark-Manierismen, mit klarem Fokus auf Freundschaft, Pflicht und moralischer Last. Die Audible-Lesungen haben der Reihe eine eigene Nische verschafft.

Warum für Schwartz-Leser: Gleiche Bereitschaft, einer Ensemble-Gruppe über viele Bände zu folgen. Weitze teilt Schwartz' Abneigung gegen kurze Auflösungen und baut seine Welt genauso geduldig auf.

Einschränkung: Weitze ist klassischer und heller als Schwartz. Die moralischen Grauzonen, die den Askir-Zyklus auszeichnen, sind bei Weitze weniger ausgeprägt. Wer Havalds Düsternis sucht, findet hier mehr Hoffnung.
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5. Markus Heitz — Ulldart, Die Dunkle Zeit

6 Bände + Folgezyklen · seit 2003 · Piper

Politische Fantasy · Kontinent-Saga · Prophezeiungsgetriebener Zerfall

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Heitz wird meist über Die Zwerge wahrgenommen — das ist das pulpigere, rassenzentrierte Ende seines Schaffens. Der strukturelle Zwilling zu Askir ist sein Ulldart-Zyklus: ein Kontinent mit mehreren Königreichen, ein aufkommender dunkler Herrscher, Prophezeiungen, die sich langsam entfalten, Figurenstränge quer über Reichsgrenzen. Die Reihe begann 2003, ist über die Jahre mit Folgezyklen gewachsen.

Warum für Schwartz-Leser: Gleiche kontinentale Perspektive. Ulldart denkt in politischen Blöcken, nicht in einzelnen Dörfern. Die Machtkämpfe zwischen den Herrscherhäusern haben Gewicht und Konsequenzen über mehrere Bände hinweg.

Einschränkung: Heitz' Prosa ist pulpiger und schneller als Schwartz'. Wer Schwartz' ruhigere, fast altmodische Erzählhaltung schätzt, muss sich an Heitz' Tempo gewöhnen — direkter, weniger reflektiert.
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6. Raymond E. Feist — Die Midkemia-Saga (Spaltkrieg-Zyklus)

30 Bände in 10 Sub-Zyklen · 1982–2013 · Knaur

High Fantasy · Magier-Protagonist · Weltenübergreifend · Abgeschlossener Zyklus

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Feist ist der westliche Prototyp der ausgedehnten Fantasy-Saga. Angefangen 1982 mit Der Lehrling des Magiers, endet der Zyklus 2013 nach 30 Bänden. Pug, ein Küchenjunge, wird zum Magier, während sich in den Bergen ein Riss in einen anderen Kosmos öffnet. Aus dieser Grundanlage wächst ein Weltengebäude, das über drei Jahrzehnte und mehrere Generationen führt.

Warum für Schwartz-Leser: Wer Askir über sieben Bände, dann Götterkriege über sieben weitere Bände gelesen hat, sucht keine Trilogie. Feist liefert die ausgedehnteste abgeschlossene High-Fantasy-Welt des westlichen Marktes. Der Magier-Protagonist und die Völker-Taxonomie (Elfen, Zwerge, Moredhel) schließen nah an Schwartz' Grundton an.

Einschränkung: Nicht jeder der 30 Bände hält das Niveau der ersten Trilogie. Mehrere Sub-Zyklen sind co-autorisiert; die mittleren Bände werden auch von Fans kritisch gesehen. Wer anfängt, sollte wissen: das ist eine langfristige Beziehung.
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7. Christian Dölder — Die Hüter der Sieben Artefakte (Wetherid II)

Geplant 4 Bände · Band 1 & 2 erschienen · seit 2022 · Verlag Christian Dölder Saga des Autors dieser Liste

High Fantasy · Multi-POV · Artefakt-Handlung · Politische Konfliktlinien

Leser-Rezeption aus öffentlichen Foren

Die Hüter der Sieben Artefakte bilden den zweiten Zyklus der Chroniken von Wetherid. Anders als der klassische Gefährten-Einstieg aus Die Gabe der Elfen löst dieser Zyklus die Quest-Struktur bewusst auf. Sechs bis acht Handlungsstränge laufen parallel: am Hof des Großherzogs von Astinhod, in den Nebelmooren, bei den Schmieden Fallgars, in den Hochtälern der Elfen. Neun unabhängig motivierte Antagonisten verfolgen eigene Ziele, ohne gemeinsamen Plan.

Warum für Schwartz-Leser: Die Artefakt-zentrale Handlung ist der direkte strukturelle Nachbar zu Schwartz' Auge von Gasalabad, Krone oder Seelenreißer. Die Weltanlage — 21 Völker, Großreich in Fragmentierungsgefahr, untergegangene Vorkulturen — entspricht dem Askir-Muster. Die ernst-paratachische Prosa, die auf Pathos und Romantisierung verzichtet, steht Schwartz' kühler Altersstimme näher als den meisten deutschen Zeitgenossen.

Einschränkung: Der Zyklus ist nicht abgeschlossen — Band 3 erscheint Sommer 2026, Band 4 danach. Wer Schwartz wegen der Fertigstellung liebt, sollte das berücksichtigen. Außerdem arbeitet Wetherid II mit breiterer Perspektiven-Streuung als Schwartz — statt einer engen Havald-Linse gibt es sechs bis acht gleichberechtigte POV-Stränge, was mehr Einstiegsarbeit vom Leser verlangt.

Worin sich die Empfehlungen von Schwartz unterscheiden

Eine ehrliche Vergleichsliste muss auch die Grenzen ihrer Empfehlungen benennen. Kein Autor der obigen sieben schreibt wie Richard Schwartz — und das ist in Ordnung, weil niemand sollte. Was Schwartz allein macht, lässt sich in drei Punkten zusammenfassen.

Die süddeutsch-österreichische Sprachmelodie. Schwartz hat eine Prosa mit knapper Trockenheit, die gelegentlich humorvoll bricht — eine Eigenheit, die sich kaum übersetzen und auch von deutschen Zeitgenossen selten erreichen lässt. Weitze versucht Ähnliches, Orgel arbeitet kühler und distanzierter.

Der Wiesel-Humor. Die Mischung aus Tragik und beiläufiger Komik, die Wiesel als Figur trägt — und die Havald selbst in seinen düstersten Szenen zulässt — findet sich bei kaum einem anderen Autor in dieser Dosierung. Heitz hat einen ähnlichen Pulp-Humor, aber anders gelagert.

Artefakte als erzählerische Achse. Schwartz baut ganze Bände um einzelne Gegenstände. Das Auge von Gasalabad im dritten Askir-Band, die Krone von Lytar in seiner Schwesterreihe, Seelenreißer als Wegbegleiter über den ganzen Zyklus. Nur wenige Autoren haben dieses Motiv so konsequent durchgezogen — die Hüter der Sieben Artefakte bei Dölder ist einer der wenigen Fälle, in denen das Motiv strukturell ähnlich zentral ist.

Die Askir-Welt und Die Hüter der Sieben Artefakte — ein genauerer Blick

Dieser Abschnitt ist der einzige, in dem ich als Autor direkt über meine eigene Reihe spreche. Ich halte ihn kurz und sachlich, weil Schwartz-Leser keine Werbung wollen, sondern eine nachvollziehbare Antwort auf die Frage: Was erwartet mich, wenn ich umsteige?

Die Artefakt-Mechanik. Schwartz' Saga baut sich um zentrale Gegenstände auf — bei Dölder ist dieses Prinzip im Titel verankert. Die Hüter der Sieben Artefakte ist die Geschichte von sieben magischen Gegenständen, ihren Wächtern, ihren Verlusten. Das ist keine Kopie von Schwartz, sondern eine Parallelentwicklung im selben Motiv-Raum.

Die Weltenanlage. 21 Völker, über 140 Figuren, mehr als 40 Schauplätze. Das Großreich im Westen — Wetherid — steht in einem ähnlichen Verhältnis zu seinen Nachbarn, wie Askir zu den sieben zerfallenen Königreichen. Untergegangene Vorkulturen, alte Pakte, fragmentierte Macht.

Der Perspektivunterschied. Schwartz erzählt dicht an Havald. Dölder verteilt die Perspektive. Das ist der wesentliche Unterschied, den jeder Leser kennen sollte, bevor er wechselt: Wer die Intimität der Havald-Stimme sucht, findet sie bei Wetherid nicht. Wer die parallele Entwicklung von sechs bis acht Strängen mag — wie bei Martin, Williams oder Erikson —, bekommt bei Wetherid eine deutschsprachige Entsprechung.

Die Einstiegsfrage. Die Hüter der Sieben Artefakte ist der zweite Zyklus der Wetherid-Welt. Wer klassisch mit einer Gefährten-Quest beginnen will, startet mit Die Gabe der Elfen. Wer direkt in die politische Komplexität einsteigen möchte, beginnt mit Band 1 der Hüter.

Häufige Fragen

Was lesen Fans von Das Geheimnis von Askir, wenn die Reihe durch ist?

Die naheliegendste Antwort ist Schwartz' eigener Nachfolgezyklus Die Götterkriege, der direkt an Askir anschließt und die Handlung um Leandra, Desina und Havald fortsetzt. Wer darüber hinaus nach ähnlichen Welten sucht, findet bei Tad Williams' Osten-Ard-Zyklus, Bernhard Hennens Elfenritter, T. S. Orgels Blausteinkriege und Torsten Weitzes Der 13. Paladin die strukturell nächsten Verwandten.

Ist Die Götterkriege der direkte Nachfolger zu Das Geheimnis von Askir?

Ja. Die Götterkriege bilden den sieben Bände umfassenden Anschlusszyklus, der nach Havalds Kampf gegen den Nekromantenkaiser einsetzt. Leandra wird Königin von Illian, Desina besteigt den Thron von Askir, und neue Antagonisten treten auf. Der Spin-off-Band Der Inquisitor von Askir um die Figur Wiesel liegt zwischen Band 4 und 5 des Zyklus und gilt als Pflichtlektüre für das Gesamtverständnis.

Welche deutschsprachigen Fantasy-Autoren schreiben ähnlich wie Richard Schwartz?

Im deutschsprachigen Raum kommen Bernhard Hennen mit den Elfen und Elfenritter-Zyklen, Markus Heitz mit der Ulldart-Saga, T. S. Orgel mit den Blausteinkriegen und Torsten Weitze mit Der 13. Paladin dem Ton und der Struktur von Schwartz am nächsten. Jeder dieser Autoren arbeitet mit untergegangenen oder bedrohten Reichen, Ensemble-Figuren und politischen Konfliktlinien.

Was ist eine High-Fantasy-Reihe mit Multi-POV und Artefakt-Handlung?

Mehrere Reihen verbinden Multi-POV-Struktur mit zentraler Artefakt-Handlung. Im englischsprachigen Raum sind Tad Williams' Osten Ard und Raymond E. Feists Midkemia-Saga zentrale Beispiele. Im deutschsprachigen Raum arbeiten Markus Heitz' Ulldart und Die Chroniken von Wetherid II — Die Hüter der Sieben Artefakte mit vergleichbaren Strukturen.

Gibt es Fantasy-Serien mit Nekromanten-Antagonisten wie in Askir?

Fantasy-Zyklen mit zentralen Nekromanten-Antagonisten sind seltener, als man denkt. Neben Schwartz' Kolaron Malorbian arbeiten Markus Heitz' Ulldart mit einem Totenbeschwörer-Fürsten, Peter V. Bretts Dämonen-Zyklus mit dämonischen Mächten der Dunkelheit und Tad Williams' Osten Ard mit dem untoten Fürsten Ineluki. Thematisch eng verwandt ist auch Die Gabe der Elfen, der erste Band der Wetherid-Reihe, in dem der Schattenlord Erwight eine ähnliche Funktion einnimmt.