Heißer, trockener Wind peitschte von den Vulkanklippen Raga Gurs herab, wirbelte feine Asche auf und trug den stechenden Geruch von Schwefel mit sich.

Der Schamane Gorzod Grauschwinge stand am Rand der felsenplattform. Er starrte ins Tal hinab – der Anblick brannte sich in seine Gedanken, traf ihn tiefer, als er es sich eingestehen wollte. Wo einst stolze Lagerfeuer der Krieger loderten und der Ruf der Trommeln durch die Schluchten hallte, lag nun eine bedrückende Stille.

Das Volk der Orks war beinahe gebrochen. Die vor zwanzig Jahren verlorene Schlacht bei Ib'Agier hatte sie schwer gezeichnet. Unter dem Banner von Erwight von Entorbis waren sie in den Kampf gezogen, getäuscht von leeren Versprechen und der Illusion einer besseren Zukunft. Doch als der Sieg ausblieb und die Allianz zerschmettert wurde, waren es die Orks, die den höchsten Preis bezahlten. Sie hatten ihre stärksten Krieger verloren, verschlungen von einer Schlacht, die ihnen keinen Ruhm, sondern nur Niederlage und Schande brachte.

Gorzods Hände krallten sich in die Wehrmauer. Der Druck ließ die scharfen Kanten gegen sein Fleisch schneiden. Sein Herz brannte vor Wut und Verzweiflung. Wie lange noch sollte sein Volk mit geneigtem Haupt durchs Leben schleichen, verdammt zu einem langsamen, schmachvollen Untergang? Nur eine Kraft – dunkel und allumfassend – konnte sie aus diesem Abgrund holen, und Gorzod hatte sie gefunden.

„Ihr werdet wieder stolz sein!“, murmelte er leise, während seine Finger über die raue Oberfläche der Steintafeln fuhren, auf die er in den dunklen Gräbern seiner Vorfahren gestoßen war.

Er wusste, dass er das Schicksal seines Volkes in seinen Händen hielt. Die darauf eingemeißelten Beschwörungsformeln verhießen ungeahnte Kräfte – ein letzter Funke Hoffnung in seiner Verzweiflung. Doch auch eine düstere Warnung stand dort, die vor einer Macht sprach, die kein Sterblicher kontrollieren kann.

Mit schweren Schritten kehrte er der Plattform den Rücken und betrat die Ritualhalle. Das Grollen des Lavastroms tief im Inneren des Berges war allgegenwärtig. Uralte Symbole schmückten die schwarzen Basaltwände und reflektierten das flackernde Licht der Feuer entlang des kreisförmigen Altars.

Das Ritual, das er vorbereitete, war uralt und gefährlich. Unzählige Male war er hierher gekommen, unschlüssig, ob er es wagen sollte, eine so gewaltige Kraft anzurufen. War es das Risiko wert? Würde er sein Volk retten – oder verdammen? In dieser Zeit sah er immer wieder Zukunftsbilder, die ihn sowohl faszinierten als auch erschreckten. Sie ließen sein Herz rasen, sein Innerstes schwankte zwischen Ehrfurcht und unbändigem Verlangen.