Bücher wie Game of Thrones Empfehlungen

G eorge R.R. Martin ( georgerrmartin.com ) hat mit „Das Lied von Eis und Feuer" das Genre der epischen Fantasy verändert. Wer die fünf erschienenen Bände gelesen hat, kennt das Gefühl: Man will mehr. Mehr Machtkämpfe zwischen Adelshäusern, mehr Perspektivwechsel, mehr Figuren, bei denen man nie sicher ist, ob sie das nächste Kapitel überleben. Und man wartet – seit über einem Jahrzehnt – auf „The Winds of Winter".

Dieser Artikel ist keine generische Bestenliste. Als Autor epischer High Fantasy mit über 140 Charakteren, parallelen Handlungssträngen und Konflikten über mehrere Reiche hinweg kenne ich die Bücher, die ich hier empfehle, nicht nur als Leser. Ich kenne sie als jemand, der selbst in diesem Feld arbeitet und weiß, was diese Art des Erzählens verlangt. Was folgt, sind Empfehlungen, die sich an dem orientieren, was Game-of-Thrones-Fans tatsächlich suchen: Komplexität, moralische Grauzonen, ein großes Figurenensemble und Konsequenzen, die nicht rückgängig gemacht werden.

Was Game-of-Thrones-Fans wirklich suchen

Bevor man nach Alternativen sucht, lohnt es sich zu verstehen, welche Elemente Leser von „Das Lied von Eis und Feuer" tatsächlich fesseln. Es sind nicht die Drachen. Es sind nicht die Schlachten. Es ist die Art, wie Martin menschliche Machtdynamik in eine Fantasywelt überträgt.

Martin erzählt durch wechselnde POV-Perspektiven. Jede Figur hat ihre eigene Wahrheit, ihre eigene Agenda. Es gibt kein klares Gut und Böse – es gibt Interessen, Loyalitäten und die Konsequenzen von Entscheidungen. Eddard Starks Hinrichtung war deshalb ein Schock, weil Fantasy-Leser gewohnt waren, dass der Held überlebt. Martin hat diese Konvention zerbrochen.

Wer also Bücher wie Game of Thrones sucht, sucht in Wahrheit nach Folgendem: Machtkämpfe zwischen Fraktionen oder Adelshäusern, ein großes Figurenensemble mit wechselnden Perspektiven, moralisch ambivalente Charaktere statt klarer Helden und Schurken, reale Konsequenzen für Entscheidungen – auch den Tod von Hauptfiguren –, und eine Welt, die sich anfühlt wie ein lebendiger Kontinent mit eigener Geschichte, eigenen Kulturen und eigenen Konflikten.

1. Die Osten-Ard-Saga von Tad Williams

Tad Williams ' „Der Drachenbeinthron" (1988) ist einer der direkten Vorläufer von Martins Werk. Martin selbst hat Williams als einen seiner größten Einflüsse benannt. Die vierbändige Saga erzählt die Geschichte von Simon, einem scheinbar unwichtigen Küchenjungen, der in einen zerstörerischen Krieg um den Thron von Osten Ard hineingezogen wird.

Der GoT-Faktor: Politische Ränkespiele

Während der König im Sterben liegt, beginnen am Hof in Erkynland die Messer gewetzt zu werden. Wer die Ränkespiele in Königsmund geliebt hat, wird das politische Netz, das Williams hier spinnt, verschlingen. Prinzen kämpfen um die Vorherrschaft, loyale Gefolgsleute werden verraten, und alte Allianzen zerbrechen. Parallel dazu erwacht im eisigen Norden eine uralte, unsterbliche Bedrohung – die Nornen –, was stark an die Weißen Wanderer jenseits der Mauer erinnert.

Unterschied zu Martin

Die Erzählung ist wesentlich langsamer und klassischer als bei Martin, die Gewalt ist weniger explizit und es gibt klarere Grenzen zwischen Gut und Böse. Dennoch ist die Tiefe des Weltenbaus absolut vergleichbar. Williams hat die Saga 2017 mit einer neuen Trilogie fortgesetzt und arbeitet weiterhin aktiv in diesem gewaltigen Universum.

2. Die Sturmlicht-Chroniken von Brandon Sanderson

Brandon Sanderson ist das Gegenteil von Martin in seiner Arbeitsweise – diszipliniert, extrem produktiv, systematisch –, aber sein gewaltiges Cosmere-Universum, insbesondere die Sturmlicht-Chroniken, bietet Tiefe auf einer vergleichbaren epischen Skala.

Der GoT-Faktor: Zerbrochene Reiche und Misstrauen

„Der Weg der Könige" eröffnet eine Geschichte über zerbrochene Reiche, strikte Klassenstrukturen und brutale Machtkämpfe zwischen Fürsten (den Großprinzen von Alethkar), die sich gegenseitig mehr misstrauen als dem gemeinsamen Feind. Dalinar Kholin kämpft nicht nur gegen äußere Bedrohungen auf der Zerschmetterten Ebene, sondern vor allem gegen Korruption, Verrat und Meuchelmörder in den eigenen Reihen. Kaladin, ein ehemaliger Soldat, der als Sklave in einem Brückenteam landet, verkörpert perfekt die Perspektive derjenigen, die unter den rücksichtslosen Machtspielen des Adels leiden und zermalmt werden.

Unterschied zu Martin

Sanderson unterscheidet sich durch seine extrem harten, physikalisch logischen Magiesysteme. Zudem haben seine Bücher sehr befriedigende, abgeschlossene Handlungsbögen pro Band, und die Sexualität sowie grafische Gewalt werden stark zurückgehalten. Was ihn jedoch mit Martin verbindet, ist die pure Komplexität des Figurenensembles und die Gewissheit, dass Fehlentscheidungen der Herrscher ganze Völker in den Abgrund reißen.

3. Die Klingen-Trilogie von Joe Abercrombie

Joe Abercrombie wird von Kritikern oft als der Autor genannt, der Martins "Grimdark"-Erbe am konsequentesten weiterführt. „Kriegsklingen" eröffnet eine gnadenlose Trilogie, in der es keine strahlenden Helden gibt – es gibt nur Überlebende und jene, die zu langsam waren.

Der GoT-Faktor: Zynismus und moralische Grauzonen

Logan Neunfinger ist ein Barbar mit einer extrem blutigen Vergangenheit, Glokta ein verkrüppelter Inquisitor, der in gegnerischer Gefangenschaft selbst brutal gefoltert wurde und nun mit zynischer Gleichgültigkeit andere foltert, um Geheimnisse für die Krone zu erpressen. Bayaz, der auf den ersten Blick vermeintlich weise Gandalf-artige Magier, entpuppt sich im Laufe der Zeit als der gefährlichste und rücksichtsloseste politische Spieler von allen.

Unterschied zu Martin

Abercrombie nimmt klassische Fantasy-Konventionen und dreht sie bösartig um: Der Auserwählte ist in Wahrheit nur ein Werkzeug, der weise Mentor ein skrupelloser Manipulator, und der Krieg bringt am Ende keinen Frieden. Für Fans von Game of Thrones ist Abercrombie die absolut nächstliegende Wahl, wenn man den beißenden Zynismus eines Tyrion Lannister sucht und einen Erzählton bevorzugt, der keinerlei romantische Illusionen bedient.

4. Das Rad der Zeit von Robert Jordan

Robert Jordan 's vierzehnteilige Saga ist das größte abgeschlossene Fantasy-Epos der modernen Literatur. „Das Auge der Welt" beginnt zwar sehr klassisch – ein junger Held aus der Provinz, eine Mentorin, eine herannahende Bedrohung –, aber die Serie entwickelt sich rasant zu einem unfassbar dichten Geflecht aus konkurrierenden Machtblöcken, das in seiner schieren Komplexität spielend mit Martin konkurriert.

Der GoT-Faktor: Das "Spiel der Häuser"

Ein zentrales Element ist das "Daes Dae'mar" (das Spiel der Häuser), ein ständiger diplomatischer Krieg voller Intrigen, Meuchelmorde und Allianzen. Die Aes Sedai, eine extrem mächtige politische Organisation von Magierinnen, ist intern zerstritten und von geheimen Sekten (der Schwarzen Ajah) durchzogen. Königreiche schmieden Allianzen und brechen sie im nächsten Atemzug. Figuren, die in Band 1 noch als winzige Nebencharaktere auftraten, steigen in späteren Bänden zu Monarchen oder zentralen Akteuren auf.

Unterschied zu Martin

Jordans Stärke liegt im gigantischen, fast schon pedantischen Aufbau einer Welt, in der jede Kultur, jede Religion und jede Fraktion eine völlig eigene Logik und Kleiderordnung besitzt. Es ist weniger brutal als Westeros, dafür im politischen Mikromanagement teilweise noch ausufernder. (Hinweis: Die letzten drei Bände wurden nach Jordans Tod hervorragend von Brandon Sanderson fertiggestellt).

5. Malazan: Das Buch der Gefallenen von Steven Erikson

Wer Martin für komplex hält, hat Steven Erikson noch nicht gelesen. „Die Gärten des Mondes" ist der Einstieg in eine gewaltige zehnteilige Serie mit buchstäblich tausenden benannten Figuren, Göttern, die aktiv in das Schicksal der Sterblichen eingreifen, und einer Geschichte, die historisch hunderttausende Jahre umspannt.

Der GoT-Faktor: Grausame Kriege und militärische Taktik

Erikson fokussiert sich stark auf militärische Kampagnen, speziell die der "Brückenverbrenner" – einer Eliteeinheit des Malazanischen Imperiums. Es gibt hier unzählige Fraktionen, die alle ihre eigenen, grausamen Ziele verfolgen. Verrat steht auf der Tagesordnung, und wie bei Martin ist keine Figur vor einem plötzlichen, unrühmlichen Tod sicher.

Unterschied zu Martin

Erikson verlangt dem Leser absolut alles ab. Es gibt keine bequemen Erklärungen, keine Glossar-Zusammenfassungen im Text, keinen sanften Einstieg für Anfänger. Man wird direkt in einen laufenden Krieg und komplexe Magiesysteme geworfen und muss sich selbst orientieren. Wer diese extreme Lernkurve durchhält, findet eine der tiefsten und philosophisch ambitioniertesten Fantasy-Serien, die je geschrieben wurden.

Tipp des Autors
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6. Die Chroniken von Wetherid von Christian Dölder

Ich empfehle hier am Ende der Liste meine eigene Reihe – nicht als neutrale Stimme, sondern als Autor, der aus exakt derselben Leidenschaft für vielschichtiges Erzählen schreibt, die Game-of-Thrones-Leser so sehr schätzen. Ich möchte euch konkret zeigen, was Die Chroniken von Wetherid mit „Das Lied von Eis und Feuer" verbindet – und wo meine Bücher bewusst eigene, neue Wege gehen.

Von der Gefährtenreise zum Machtpoker

Die Reihe beginnt mit „Die Gabe der Elfen", einer scheinbar klassischen Gefährtenreise. Der junge Abkether Vrenli Hogmaunt erbt ein Vermächtnis, das größer ist als er selbst: Er soll Hüter des Buches von Wetherid werden, eines Artefakts, das die Geschichte eines ganzen Kontinents lenkt. Die Gefährten, die sich um Vrenli und den Elfen-Waldläufer Gorathdin sammeln, sind Verbannte und Außenseiter.

Während sie durch Gebirge, Wüsten und verbotene Wälder reisen, eskaliert in den Königreichen der Verrat. Könige werden ermordet, Gestaltwandler ersetzen Vertraute, dunkle Magier ziehen im Hintergrund die Fäden. Das ist klassische Fantasy im Aufbau – aber mit den Elementen von George R.R. Martin in der Ausführung: Jede Allianz hat ihren blutigen Preis, jedes Volk seine egoistischen Gründe zu zögern.

Politik, Intrigen und Zweckbündnisse (Wie in Königsmund)

Der zweite Zyklus, „Die Hüter der Sieben Artefakte" , ist dann jener Teil der Reihe, der Game-of-Thrones-Fans am direktesten ansprechen wird. Die Handlung verläuft über zahlreiche parallele Perspektiven und Handlungsstränge auf völlig unterschiedlichen Kontinenten.

In der Menschenstadt Astinhod zerfällt die politische Ordnung nach dem Tod der Königin sofort. Was folgt, sind keine offenen, ehrenhaften Schlachten – es sind hinterlistige Ratssitzungen, Erpressung und Mord im Schatten. Lady Merdiva manipuliert den zögerlichen Fürsten Eryndor gnadenlos. Aldion und Belmarr kämpfen erbittert um die Kontrolle des Rates. Jede Figur hat ihre geheime Agenda, jeder Dialog trägt eine verheerende zweite Bedeutung. Leser, die Cerseis oder Kleinfingers Machenschaften in Königsmund lieben, werden die toxische Dynamik in Astinhod sofort wiedererkennen.

Parallel dazu schmiedet der Orkschamane Gorzod Grauschwinge in Fallgar ein Bündnis, das nur auf Zwang, Misstrauen und dem Einfluss des Dämons Xaroth beruht. Die Grauzwerge unter Brumir Eisenfaust folgen ausschließlich ihren eigenen Interessen. Die Untoten unter Azrakel gehorchen aus Angst, nicht aus Loyalität. Prinz Sylvian der Nebelelfen erpresst den Heermeister Elroth der Glorreichen Elfen, um politischen Einfluss zu gewinnen. Das ist kein vereintes Bündnis des Bösen. Das ist ein fragiles Zweckbündnis, das von innen heraus verrottet.

Reale Konsequenzen und tiefes Worldbuilding

Die emotional stärkste Figur der Reihe ist Gorathdin. Der Elfen-Waldläufer verliert im Laufe der Geschichte alles. Seine Trauerszene, in der er durch den dunklen Wald rennt, als könnte er dem Schmerz davonlaufen, gehört zu den Momenten, die Leser so schnell nicht vergessen werden. George R.R. Martin lässt Hauptfiguren sterben. In Wetherid sterben sie auch – aber die Trauer derer, die zerstört zurückbleiben, wird nicht einfach übersprungen.

Was Wetherid von Martin unterscheidet: Der Grundton ist klassische High Fantasy. Die Welt umfasst mehrere Kontinente – von den Vulkanfestungen Fallgars bis zu den staubigen Wüsten Shanburias. Es gibt 21 Völker und über 40 detaillierte Orte. Wo Martin oft nahe an historischem, europäischem Realismus erzählt, ist Wetherid eine vollständig eigene Sekundärwelt mit eigener Götter-Mythologie. Die Vielschichtigkeit der Konflikte verbindet sich hier mit dem Weltenbau eines Tolkien.

"Herr der Ringe trifft auf Game of Thrones! Lasst euch mitnehmen auf eine epische, detailreiche Reise mit Intrigen und Machtspielen... Es ist ein Muss für Fans von High Fantasy."

JuliaJK82, Rezension auf LovelyBooks
Jetzt reinlesen: Hüter der 7 Artefakte

Das richtige Buch für jeden Game-of-Thrones-Fan

Die Wahl hängt letztlich davon ab, welchen Aspekt von „Das Lied von Eis und Feuer" man am meisten schätzt. Wer den zynischen, dreckigen Blick auf Macht liebt, greift sofort zu Abercrombie. Wer tiefes Weltenbau mit kultureller Vielfalt und magischen Systemen schätzt, ist bei Williams oder Sanderson richtig. Wer maximale erzählerische Komplexität will und bereit ist, dafür zu arbeiten, liest Erikson. Wer hingegen die Verbindung aus Tolkiens mythischem Weltenbau und Martins brutaler Machtdynamik sucht, findet sie in den Chroniken von Wetherid.

George R.R. Martin bleibt ein Meister seines Fachs – in seiner spezifischen, historischen Erzählweise unerreicht. Aber die fantastischen Autoren auf dieser Liste zeigen, dass das Genre weit mehr zu bieten hat als Westeros. Und dass man die schier endlose Wartezeit auf „The Winds of Winter" nicht untätig verbringen muss.

Jedes der genannten Bücher steht absolut für sich. Keines ist ein billiger Ersatz für Martin, und keines will das sein. Was sie alle gemeinsam haben: den Anspruch, Fantasy als ernsthafte Literatur zu begreifen, Figuren zu schaffen, die man liebt oder abgrundtief hasst, und Welten zu bauen, in denen man sich komplett verliert. Wer nach Game of Thrones das nächste dicke Buch sucht, das ihn wochenlang nicht schlafen lässt, findet es auf dieser Liste.

Christian Dölder ist der Autor der Chroniken von Wetherid, einer epischen High-Fantasy-Saga in mehreren Zyklen. Die Reihe umfasst bisher drei Bände in vier Sprachen. Mehr über die Welt, die Völker und die Bücher auf der Startseite oder unter wetherid.com

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