Prinz Sylvian erklärte ihm den Plan im Detail. „Ihr werdet zu eurer Königin gehen und ihr von einer neuen, dringenden Bedrohung aus dem Süden berichten. Überzeugt sie davon, dass der Stadthalter von Irkaar die Schwäche in Astinhod nutzen wird. Drängt sie, ihre besten Truppen nach Thir zu verlegen. Lenkt ihre Aufmerksamkeit weg von Fallgar. Sorgt dafür, dass ihre Armeen am falschen Ort sind, wenn die wahre Gefahr naht.“
Elroth starrte ihn entsetzt an. „Ihr wollt, dass ich mein eigenes Volk an euch ausliefere...?“ „Ich will, dass ihr eure Familie schützt, Elroth“, korrigierte ihn Prinz Sylvian leise. Elroth verließ die Taverne als gebrochener Mann, legte dem Wirt Goldmünzen auf den Tresen und verschwand wortlos in der kühlen Abendluft.
Tage später hatte Elroth die Steppe von Thir hinter sich gelassen. Vor ihm breiteten sich die weiten Blumenfelder aus, die sich nach Süden in das Glorreiche Tal erstreckten. Der Wald war dicht, erfüllt von hohen Bäumen mit silbernen Blättern. Die Tiere des Waldes bewegten sich ohne Scheu, denn sie kannten keine Gefahr durch die Elfen. Doch Elroths Blick blieb dunkel; die Last seines Gewissens lag schwer auf ihm.
Kurz vor Mittag erreichte er den großen See, der das Tal teilte. Er stieg auf ein Floß und löste das Seil. Während der Überfahrt kreisten seine Gedanken unaufhörlich: Wie soll ich meiner Frau und meiner Tochter nach diesem Verrat in die Augen sehen? Als laute „Manda Goij!“-Rufe über das Wasser hallten, sah er die Wehranlage am Ufer. Seine Männer in silbernen Rüstungen erhoben ihre Schwerter zum Gruß, unwissend über die dunkle Fracht, die ihr Heermeister in seinem Herzen trug.