Langsam zog er den Beutel ein Stück näher zu sich. „Aber Rayla war naiv, nicht dumm – und von Verzweiflung getrieben. Heimlich, in der Zeit, in der er sie nicht überwachte, schrieb sie mit: Namen, Vorlieben, Zahlungen, gestohlene Gegenstände. Alles auf ein Pergament. Vielleicht ahnte sie, dass es kein gutes Ende nehmen würde.“
Prinz Sylvian lachte leise. „Als sie begriff, was aus ihr geworden war, floh sie und kehrte zurück nach Marnog Jar.“ Er machte eine Pause, nahm einen Schluck Met und stellte den Krug leise ab. Er sah Elroth direkt an. „Das war ihr erster Fehler. Sie war gebrochen und vertraute sich meiner Frau Kyrintha an, was ihr zweiter und letzter Fehler war.“
Elroth schloss die Augen. Sein Gesicht war reglos, nur der Atem verriet ihn. Er stellte sich vor, wie er einfach sein Schwert zog, wie die Klinge den Hals des Nebelelfen durchtrennte. Vielleicht wäre es der schnellste Weg, um all das zu beenden. Prinz Sylvian bemerkte die Regung. „Solltet ihr daran denken, mit Gewalt zu antworten, muss ich euch warnen“, sagte er mit beiläufiger Ruhe.
„Rayla hat euch nicht nur den Ring entwendet. Nachdem ihr in der Taverne eingeschlafen wart – nach allem, was zwischen euch geschehen war –, schnitt sie euch eine Strähne eures silbernen Haares ab. Diese liegt nun gut verwahrt in Marnog Jar.“ Elroth atmete tief durch. „Also – was verlangt ihr? Schweigen gegen Gold?“
Prinz Sylvian schmunzelte. „Was sollte ich mit Gold anfangen? Ich bin der Herrscher der Nebelelfen. Ich besitze mehr Reichtümer, als ihr je in Händen halten werdet.“ Er hielt inne und sah Elroth fester an. „Ich will, dass ihr mir helft, Eledhwen vom Thron zu stürzen. Das ist es, was ich von euch verlange.“
Elroth stieß den Stuhl zurück und erhob sich. Die Finger seiner rechten Hand legten sich erneut um den Knauf seines Schwertes. Einige Blicke aus dem Schankraum fielen auf die beiden. Einzelne Gespräche verstummten. „Setzt euch sofort wieder hin“, fauchte Prinz Sylvian und schob den Schrumpfkopf rasch zurück in den Beutel.
Elroth schluckte den Zorn hinunter und ließ sich langsam wieder auf die Bank sinken. Um sie herum kehrten die Stimmen zurück, als wäre nichts geschehen. Der Wirt näherte sich mit gemessenem Schritt. „Wenn ihr Streit habt, tragt ihn draußen aus“, sagte er mit gestrafften Schultern. „Und das hier ist kein warmer Lagerplatz, sondern eine Taverne. Was darf ich euch bringen? Etwas zu essen vielleicht? Heute gibt es Hasengulasch nach Thirianer Art. Zwei Teller?“ Elroth schüttelte den Kopf.