Die Linien seines Gesichts wurden schärfer, der Atem ging unruhig.

Prinz Sylvian beugte sich vor.

„Ihr könnt mich nicht täuschen. Oder weshalb habt ihr diesem Treffen zugestimmt? Einem Treffen mit eurem Feind.“

Elroth sprach mit erzwungener Ruhe, doch die Schärfe in seiner Stimme verriet ihn.

„Ich wollte hören, was ihr euch anzumaßen wagt. Aus eurem eigenen Mund. Und ich wollte in eure Augen sehen, wenn ich euch für diese Anmaßung zur Rechenschaft ziehe.“

Elroths Hand glitt langsam zum Griff seines Schwertes.

Prinz Sylvian bemerkte die Bewegung.

Seine Stimme wurde hart:

„Bevor ihr einen Fehler begeht, solltet ihr besser hinsehen.“

Er warf einen prüfenden Blick durch den Raum, um sicherzugehen, dass niemand herüberblickte, dann öffnete er den Beutel.

Behutsam holte er einen Ring hervor, schmal gearbeitet aus goldener Legierung, gekrönt von einem tiefvioletten Stein, eingefasst in ein feines Ornament in der Form eines Eichenblattes.

Elroths Blick blieb reglos auf dem Schmuckstück.

„Was soll dieser Ring beweisen?“

Für einen Atemzug wich die Spannung aus seinen Zügen.

Prinz Sylvian strich mit dem Zeigefinger über den violetten Stein.

„Es ist euer Ring. Der Ring des Heermeisters der Glorreichen Elfen.“

Er ließ den Satz im Raum stehen.

Elroth erwiderte sofort, seine Stimme unbewegt:

„Es gibt viele Ringe in dieser Welt. Dieser gehört nicht mir.“

„Natürlich gehört er euch“, entgegnete Sylvian, sein Ton blieb gelassen.

„Und ich bin überzeugt, dass Königin Eledhwen ihn ebenfalls erkennen wird.“

Elroth schwieg einen Moment, atmete scharf aus.

Dann nahm er den Ring auf, ließ ihn langsam zwischen Daumen und Zeigefinger kreisen. Seine Augen verengten sich, prüften das feine Schmuckstück.

„Ihr habt recht. Jetzt, da ich ihn genauer betrachte... er ähnelt meinem. Ich muss ihn irgendwann verloren haben. Wo habt ihr ihn gefunden?“

Ein kurzes, hartes Lachen brach aus Prinz Sylvians Brust.

„Verloren?“, spottete er und beugte sich vor.

„Ihr habt ihn nicht verloren – das ganz sicher nicht.“

Elroths Miene verhärtete sich.

Ohne ein weiteres Wort schloss er die Hand fest um den Ring.

„Was wollt ihr damit sagen? Dass ich ein Lügner bin?“

Prinz Sylvians Hand schoss vor.

Mit einem Ruck packte er Elroths Faust und zwang sie mit unerwarteter Kraft auf. In einer fließenden Bewegung nahm er ihm den Ring ab.

„Versucht nicht, mich zu täuschen“, knurrte er.

Seine Stimme schnitt scharf durch den Raum.

„Das beherrsche ich besser.“

Elroth zog die Hand zurück und ballte sie erneut.

„Was soll das Ganze? Selbst wenn es mein Ring wäre, beweist das nichts. Spart euch diese Spielchen. Sagt, was ihr wollt.“

Ein kaltes Grinsen trat auf Prinz Sylvians Gesicht.

„Eure Wut. Eure Unruhe. Sie sprechen für sich. Nichts davon entspricht dem Wesen eures Volkes.“

Er zog den Lederbeutel näher, legte die Fingerkuppen auf die gewölbte Stelle und klopfte zweimal sacht dagegen.

Elroths Geduld riss.

Seine Stimme schnitt scharf durch den Raum:

„Sprecht endlich. Was soll das alles?“

Seine Hand glitt unter den Tisch, die Finger schlossen sich um den Griff seines Schwertes.

„Ihr solltet dankbar sein, dass euer vernarbter Kopf noch auf euren Schultern sitzt.“

Prinz Sylvians linke Hand wanderte langsam zu seinem Stiefel. Lautlos zog er einen Dolch und schob ihn unter der Tischkante vor, bis die Spitze kaum eine Handbreit von Elroths Seite entfernt war.

„Mäßigt euch“, fauchte er.

„Ihr seid in keiner Lage, mir etwas abzufordern.“

Mit der Rechten öffnete er den Beutel.

Langsam, fast bedächtig, zog er etwas Dunkles hervor. Zuerst nur eine verfilzte Haarsträhne.

Als er weiterzog, erstarrte Elroth.

Seine Augen waren weit aufgerissen.

Ein Schrumpfkopf lag nun in Sylvians Hand.

Elroths Atem stockte; das Blut wich aus seinem Gesicht.

Prinz Sylvian bemerkte die Reaktion mit Genugtuung, warf einen raschen Blick durch den Raum und schob den Kopf langsam über die Tischplatte.

„Erkennt ihr sie?“, flüsterte er.

Elroths Miene erstarrte, sein Blick unbewegt und ohne jedes Flackern.

Prinz Sylvian schob den Dolch lautlos zurück in den Stiefel.

„Natürlich erkennt ihr sie. Rayla war ihr Name.“