Der Preis des Schweigens

Die Taverne war aus grob gehauenen Balken errichtet. Der erdige Boden war festgestampft, die Wände dunkel und vom Rauch verrußt.

Links erstreckte sich ein langer Schank mit einem eingelassenen Fass, daneben ein Regal mit Krügen aus Ton und Holz.

An mehreren Tischen saßen Männer aus Thir, ihre Stimmen mischten sich zu einem rauen Gemurmel. Zwei kräftige Barbaren, in dickes Fell gehüllt, mit Narben an ihren Unterarmen, hockten weiter hinten, tranken Met aus schweren Bechern und schwiegen.

Rechts hatte eine Händlergruppe ihre Waren ausgebreitet: zusammengerollte Decken, Sattelteile, Messer in Lederscheiden. Einer zählte Münzen, ein anderer prüfte einen Riemen, zwei stritten leise über ein Gewichtsmaß.

Hinter dem Schank stand der Wirt, ein breitschultriger Mann mit braungebrannter Haut, kräftigen Armen und rundem Gesicht, dem nichts zu entgehen schien.

Als Prinz Sylvian weiter in den Raum trat, musterte der Wirt ihn flüchtig.

„Was darfs sein, Fremder?“, rief er über die Tische hinweg.

Prinz Sylvian deutete wortlos auf einen der Metkrüge.

Der Wirt nickte knapp.

Während Prinz Sylvians Blick weiter durch das Gastzimmer glitt, entdeckte er in einer dunklen Ecke, weitab vom Lärm, einen Glorreichen Elfen.

Unter seinem dunklen Umhang trug er eine silberne Rüstung, besetzt mit violetten Edelsteinen und verziert mit feinen Gravuren.

Sein Kopf war leicht gesenkt, doch die Augen ruhten wachsam auf dem Eingang.

Das muss Elroth sein, dachte er.

Er ging gebeugt auf ihn zu und setzte sich wortlos an den Tisch.

Der Wirt brachte den Krug heran, stellte ihn ohne Nachfrage hin und wandte sich an den Glorreichen Elf.

„Darf es für den hohen Herrn auch noch etwas sein?“

Ein knappes Kopfschütteln war die Antwort.

Der Wirt drehte sich um und ging zurück zum Schank.

„Es war klug von euch, diesem Treffen zuzustimmen“, sagte Prinz Sylvian.

Ein kaum merkliches Grinsen zuckte um seine Mundwinkel. Er griff nach dem Krug und trank langsam.

Elroth presste die Lippen zusammen.

Sein Blick war schneidend, als er versuchte, eine Regung in Prinz Sylvians Gesicht zu erkennen, fand aber nichts.

„Meine Anwesenheit“, sagte er mit kalter, kontrollierter Stimme, „bedeutet kein Zugeständnis an eure Lügen. Lügen, die nur die Verkommenheit der Nebelelfen bezeugen.“

Ein süffisanter Zug huschte über Prinz Sylvians Gesicht.

„Spart euch die unschuldigen Worte. Dieses Spiel vom reinen Gewissen kaufe ich euch nicht ab.“

Er löste langsam den Beutel von seinem Gürtel und legte ihn bedächtig auf den Tisch.

„Ich habe Beweise. Beweise für euren Verrat – an allem, was euer Volk ausmacht.“

Elroths Blick senkte sich auf das dunkle Leder und seine Züge verhärteten sich augenblicklich.

„Beweise? Welche Beweise wollt ihr schon vorlegen?“