Beim ersten Morgengrauen stieg Prinz Sylvian wieder auf seine Spinne und ritt weiter südwärts. Zu Mittag erreichte er einen befestigten Weg und zügelte sein Tier. Ab jetzt musste er wieder vorsichtig sein. Er stieg ab, nahm die Satteltasche vom Rücken der Spinne und öffnete sie. Aus dem Inneren zog er Lumpen hervor, schlüpfte hinein und verstaute seine bisherige Kleidung tief in der Tasche.

Dann nahm er die silberne Maske ab. Für einen Moment zeigte sich im fahlen Licht sein wahres Gesicht, das von tiefen Narben durchzogen war – Zeugnisse unzähliger Kämpfe. Seine Finger strichen unbewusst über eine alte, wulstige Wunde an seiner Wange. Mit einem scharfen Atemzug schob er die damit verbundenen Gedanken beiseite und zog die Kapuze seines Umhangs tief ins Gesicht.

Einen kleinen Beutel befestigte er an seinem Gürtel. Dann legte er die Hand auf den Nacken der Spinne. Das Tier verharrte, schien seinen stummen Befehl zu begreifen, und glitt lautlos ins hohe Gras davon. Er wartete, bis sie verschwunden war, dann schnitt er sich einen kräftigen Ast von einem Baum, stützte sich darauf und setzte den Weg zu Fuß fort. Sein Rücken war gebeugt, die Schritte gemessen, der Blick auf den Weg nach Süden gerichtet.

An einer Wegkreuzung hielt er kurz inne. Links führte die Straße ins Glorreiche Tal, rechts zum Dorf der Wütenden Horden. Er bog nicht ab, sondern folgte dem geraden Weg, bis sich vor ihm die Umrisse einer Taverne abzeichneten, die als Handelsstation Irkaars diente. Er prüfte noch einmal den Sitz der Kapuze, senkte den Kopf und näherte sich dem Gebäude. Seine Hand legte sich auf die kalte Eisenklinke.

Er nahm die Haltung eines gebrechlichen Wanderers an und drückte sie langsam nieder. Als sich die Tür öffnete, schlug ihm der Geruch von Rauch und verschüttetem Met entgegen. Einen Moment blieb er stehen, lauschte auf Stimmen, ließ dann den Blick durch den Raum gleiten und prüfte die Anwesenden sowie mögliche Fluchtwege. Dann trat er über die Schwelle und schloss die Tür leise hinter sich.