Aber die Augen der Nebelelfen waren an solch ein Zwielicht angepasst. Wo andere im Dunst längst verloren waren, nahm Prinz Sylvian ein vertrautes, schattenreiches Grau wahr, in dem ihm kein Detail entging. Diese angeborene Fähigkeit leitete ihn zwei Tage lang sicher auf seinem Weg durch das Moor. Immer wieder traf er auf Späher seines Volkes, tauschte mit ihnen knappe Informationen über die Bewegungen im Süden aus und verweilte an ihren verborgenen Feuerstellen.

Am Abend des zweiten Tages bemerkte er, dass der sumpfige Boden allmählich höher und fester wurde; der weiche Grund weich nach und nach Geröll und Fels. In der Nacht schlug er sein Lager auf einer trockenen Anhöhe auf. Von dort aus erkannte er im letzten Dämmerlicht bereits die ersten Erhebungen am Rand des Moores.

Mit dem ersten Licht des dritten Tages setzte er seinen Weg fort. Im Laufe des Vormittags löste sich der Nebel allmählich auf und gab immer klarer die schroffen Felsformationen frei, die nun seinen Weg säumten. Gegen Mittag erreichte er schließlich die enge Schlucht.

Er zügelte seine Spinne und richtete sich mit einer geschmeidigen Bewegung auf ihrem Rücken auf. Sein Blick war angestrengt auf das schmale Tal gerichtet, das von glatten, steilen Felswänden eingefasst wurde. Jenseits davon erhoben sich die dicken, spitzen Holzpfähle des Grenzwalls – ein gewaltiges Bollwerk, das vor zwanzig Jahren errichtet worden war, um die Bewohner Fallgars daran zu hindern, nach Wetherid vorzudringen.

An mehreren Stellen des Walls hingen deutlich sichtbar die Wappen der Reiche Wetherids. Vom Wind ausgefranst und von Regen und Sonne gezeichnet, waren sie doch noch klar zu erkennen. Sie markierten stumm und unmissverständlich die Grenze zwischen den beiden Ländern. Vier hohe Aussichtstürme standen an den strategischen Punkten der Anlage, schwarz und bedrohlich gegen den bleichen Himmel.