Ohnmächtig und ohne jeden Widerstand hörte er weiter zu.

Prinz Sylvian erklärte ihm den Plan im Detail.

Seine Worte waren klar, beherrscht, ohne Hast.

„Es ist ganz einfach, Elroth“, begann er, die Stimme kühl und geschäftsmäßig.

„Ihr werdet eure Königin nicht meucheln. Ihr werdet keinen Bürgerkrieg anzetteln. Nichts so Vulgäres. Ihr seid ein Stratege, also werdet ihr mit Bedacht handeln.“

Elroth hob den Kopf, sein Blick leer.

„Was... was verlangt ihr?“

„Ihr werdet zu eurer Königin gehen und ihr von einer neuen, dringenden Bedrohung berichten. Einer Bedrohung aus dem Süden.“

Prinz Sylvians Augen funkelten.

„Die Verhältnisse in Astinhod sind ein Pulverfass, nicht wahr? Jeder weiß das. Überzeugt eure Königin davon, dass der Stadthalter von Irkaar diese Schwäche nutzen wird, um seine eigene Macht auszuweiten. Drängt sie, ihre besten Truppen nach Thir zu verlegen, um eine vermeintliche Rebellion niederzuschlagen oder einen Handelskrieg zu verhindern.“

Er lehnte sich vor, seine Stimme kaum mehr als ein Zischen.

„Beschäftigt sie. Lenkt ihre Aufmerksamkeit weg von uns, weg von Fallgar. Sorgt dafür, dass ihre Armeen am falschen Ort sind, wenn die wahre Gefahr naht.“

Elroth starrte ihn entsetzt an.

„Ihr wollt, dass ich mein eigenes Volk an euch ausliefere...?“

„Ich will, dass ihr eure Familie schützt, Elroth“, korrigierte ihn Prinz Sylvian leise.

„Der Rest ist nur der Preis, den ihr dafür zahlen müsst.“

Die Geräusche in der Taverne veränderten sich. Erst leiseres Murmeln, dann das Rutschen von Stühlen. Einige Gäste brachen auf, einer nach dem anderen verließen sie den Raum.

Türen klappten, Schritte verklangen.

Schließlich blieb nur noch das dumpfe Knistern vom Herdfeuer und das Klirren von Bechern, die der Wirt in einen Schrank stellte.

Es war später Nachmittag, als Prinz Sylvian sich schließlich erhob und Elroth mit scharfem Blick musterte; er wartete, bis dieser verstand und zustimmte.

Elroth richtete sich auf, doch seine Haltung war die eines gebrochenen Mannes.

„Ihr seid abscheulich und hinterlistig. Aber ihr lasst mir keine Wahl. Ich werde alles so ausführen, wie ihr es mir erklärt habt. Und dafür verachte ich euch.“

Er stockte und atmete schwer, bevor er fortfuhr:

„Und mich selbst.“

Prinz Sylvians Grinsen dehnte sich langsam zu einem breiten, giftigen Lächeln.

„Ihr werdet einem Nebelelfen immer ähnlicher.“

Elroth verharrte reglos.

Ende der Leseprobe

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