Dann überreichte er ihr ein kleines Fläschchen mit einer durchsichtigen Flüssigkeit. „Das ist der letzte Schritt. Mische es in den Wein von Heerführer Arkondir beim Festmahl. Ohne ihn wird Lythinda schutzlos sein“, drängte er sie. Sie griff zögernd zu. „Ich weiß nicht, ob ich das tun kann“, erwiderte sie und schaute ihn verzweifelt an.

„Du hast keine Ahnung, was auf dem Spiel steht. Ich habe mich für dich beim Stadthalter verbürgt, mit ihm ist nicht zu spaßen!“, entgegnete er und fixierte sie. Ihre Hände zitterten. Die Last der Entscheidung wog schwer auf ihr. Die Liebe zu Laaron trieb sie an, doch ihre Loyalität zur Königin hielt sie zurück.

Leandra versteckte das Gift in ihrem Unterrock und ging in den Küchenbereich des Palastes. Dort erwartete sie ihre Pflicht. Sie war für die Vorbereitung des zweitägigen Festes anlässlich des Todestages von König Grandhold verantwortlich. In einem unachtsamen Moment zog sie das Gefäß hervor, doch eine Dienerin trat ein. Leandra verbarg es hastig hinter ihrem Rücken. „Alles in Ordnung!“, sagte sie mit zittriger Stimme.

Wenig später schritt sie durch die Korridore zum Festsaal. Das Licht der Kronleuchter spiegelte sich auf silbernen Kelchen wider. Leandra nahm ihren Platz neben Königin Lythinda und Heerführer Arkondir ein. Laarons Worte hallten in ihrem Kopf: „Mach dir bitte keine Sorgen.“

Arkondir wandte sich ihr zu, ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen. „Ihr wirkt heute ungewöhnlich still, Leandra. Ist alles in Ordnung?“, fragte er freundlich. Sie zwang sich zu einem Lächeln. Als die Diener die Gläser nachfüllten, spürten sie das Gefäß in ihrer Tasche. Niemand achtete auf sie. Sie zog das Fläschchen hervor, doch Angst lähmte sie. Schnell steckte sie es wieder zurück.

„Leandra? Ihr wirkt blass. Vielleicht solltet Ihr etwas frische Luft schnappen“, schlug Arkondir vor. Sie nickte und verließ fluchtartig den Saal. Der erste Versuch war gescheitert. In ihrem Gemach wartete Laaron bereits ungeduldig auf sie. „Hast du alles erledigt?“, fragte er. „Ich konnte es nicht!“, gestand sie mühsam. Doch Laaron gab nicht auf. Mit sanften, manipulativen Worten überzeugte er sie in dieser Nacht erneut.