Dann überreichte er ihr ein kleines Fläschchen mit einer durchsichtigen Flüssigkeit.
„Das ist der letzte Schritt. Mische es in den Wein von Heerführer Arkondir beim Festmahl. Ohne ihn wird Lythinda schutzlos sein“, drängte er sie.
Sie griff zögernd zu.
„Ich weiß nicht, ob ich das tun kann“, erwiderte sie und schaute ihn verzweifelt an.
„Du hast keine Ahnung, was auf dem Spiel steht. Ich habe mich für dich beim Stadthalter verbürgt, mit ihm ist nicht zu spaßen!“, entgegnete er und fixierte sie.
Ihre Hände zitterten. Die Last der Entscheidung wog schwer auf ihr. Die Liebe zu Laaron trieb sie an, doch ihre Loyalität zur Königin hielt sie zurück. Wie konnte sie beiden gerecht werden?
„Und wenn sie es doch herausfindet?“, fragte sie nachdenklich.
„Sie wird es nicht herausfinden, wenn du genau das tust, was wir besprochen haben!“, erwiderte er mit einem Hauch von Ungeduld.
Leandra nickte und küsste ihn leidenschaftlich. Danach versteckte sie das Gift in ihrem Unterrock und ging in den Küchenbereich des Palastes.
Dort erwartete sie ihre Pflicht.
Sie war für die Vorbereitung des zweitägigen Festes anlässlich des Todestages von König Grandhold verantwortlich – von den Speisen bis zu den zeremoniellen Abläufen. Doch die Tragweite ihres Vorhabens ließ sie nicht los.
Wie soll ich das tun? dachte sie und zog das kleine gläserne Gefäß hervor.
In diesem Moment trat eine Dienerin in den Raum. Leandra zuckte zusammen. Ihre Finger schlossen sich hastig um das kleine Fläschchen, das sie schnell hinter ihrem Rücken verbarg. Die junge Frau musterte Leandras unruhige Haltung.
„Alles in Ordnung!“, sagte Leandra hastig, ihre Stimme eine Spur zu hoch.
„Ich bereite nur noch die letzten Details vor.“
Die Dienerin zögerte einen Moment, nickte dann jedoch und wandte sich ab, um ihren Aufgaben nachzugehen.
Leandra atmete flach aus. Ihr Blick auf die Tür geheftet, die sich hinter der Frau schloss. Sie steckte das Gift in die Tasche, strich ihr Kleid glatt und zwang sich, ruhig zu bleiben.
Wenig später schritt sie durch die langen Korridore des Palastes. Die leisen Klänge von Musik und Gesprächen wurden lauter, je näher sie dem Festsaal kam.
Ihre Gedanken rasten. Jeder Schritt fühlte sich schwer an. Doch ihr Gesicht blieb eine Maske der Gelassenheit, als sie die großen Türen öffnete und hineintrat.
Im Saal herrschte bereits ein reges Treiben. Das Licht der Kronleuchter spiegelte sich auf silbernen Kelchen und glänzenden Platten wider. Dampfende Suppen, gebratene Wildvögel, kunstvoll arrangiertes Gemüse und exotische Früchte füllten die Tafeln – ein Festmahl, das keine Wünsche offen ließ.
Leandra nahm ihren Platz neben Königin Lythinda und Heerführer Arkondir ein, einem Mann von großer Statur, dessen tiefe Stimme die Umgebung erfüllte, während er sich mit den anderen Gästen unterhielt.
Leandra zwang sich ruhig zu bleiben, als sie Arkondir beobachtete. Sie faltete die Hände in ihrem Schoß.
Laarons Worte hallten in ihrem Kopf wider:
Du bist das Einzige, was für mich zählt! Mach dir bitte keine Sorgen.
Sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen, doch der Lärm um sie herum machte es ihr schwer. Niemand ahnte, was in ihrem Inneren vorging, als sie abwesend das Essen auf ihrem Teller verschob.