Am nächsten Morgen, als sie aufstanden, zog Laaron ein weiteres Giftgefäß aus seiner Tasche und reichte es Leandra. „Das ist deine letzte Chance!“, sagte er bestimmt. Leandra nahm es entgegen und nickte. Nachdem sie ihr Gewand geglättet hatte, verließ sie ohne ein weiteres Wort den Raum.
Während das Frühstück im Festsaal gedeckt wurde, stand Leandra in der Küche und beaufsichtigte die Köche. Als sie sicher war, dass alles bereit war, suchte sie im Saal nach Arkondir. Sie entdeckte ihn im Gespräch mit dem Richter und einem Offizier. Als Arkondir seinen beladenen Teller kurz auf einem Beistelltisch abstellte, ergriff sie die Gelegenheit und ließ unauffällig das Gift über seine Speisen fallen.
Kurz darauf nahm Arkondir einen Bissen. Leandra beobachtete ihn nervös. Plötzlich erstarrte seine Miene, ein heftiges Würgen entrang sich seiner Kehle. Er griff sich an die Brust, sein Gesicht lief rot an, und er stürzte schwer zu Boden. Königin Lythinda eilte erschrocken an seine Seite. „Was geht hier vor sich?“, rief sie alarmiert.
„Etwas … stimmt nicht …“, presste Arkondir mühsam hervor, bevor sein Körper still wurde und das Leben aus ihm wich. Der herbeigerufene Heiler untersuchte den Körper und stellte fest: „Es war Gift. Die Symptome lassen keinen Zweifel zu!“
Königin Lythinda schwankte, doch Leandra trat schnell an ihre Seite und stützte sie mit gespielter Besorgnis. „Ich bin für euch da, Majestät. Verlasst euch auf mich.“ Ein dunkler Gedanke keimte in der Königin auf – was, wenn auch ihr Gemahl Gorathdin in Gefahr war? Herzog Belmarr drängte sie: „Das war Mord! Ihr solltet euch zurückziehen. Hier ist es nicht sicher!“
Königin Lythinda nickte und folgte ihren Beratern in das Arbeitszimmer, während im Festsaal Chaos ausbrach und der Hauptmann der Wachen befahl: „Niemand verlässt den Palast! Durchsucht alles!“