Als die Diener die Gläser der Gäste nachfüllten, spürte sie, wie sich ihre Finger in ihrer Tasche krümmten.
Arkondir wandte sich ihr zu, ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen.
„Ihr wirkt heute ungewöhnlich still, Leandra. Ist alles in Ordnung?“, fragte er mit freundlicher, aber prüfender Stimme.
Sie zwang sich zu einem schwachen Lächeln.
„Es war ein langer Tag, Heerführer. Aber ich bin wohlauf“, erwiderte sie.
Er nickte und wandte sich wieder den Gesprächen zu.
Der Wein in seinem Glas schimmerte dunkelrot im Licht der Kerzen. Dies war der Moment. Niemand achtete auf sie, alle waren in ausgelassener Stimmung.
Sie zog langsam das Fläschchen hervor, ihre Hand zitterte. Ihre Finger schwebten über Arkondirs Glas, als sie plötzlich zögerte. Angst lähmte sie. Schnell steckte sie es wieder zurück.
Arkondirs besorgte Stimme drang zu ihr durch:
„Leandra? Ist gewiss alles in Ordnung? Ihr wirkt blass.“
Sie blinzelte und sah ihn mit feuchter Stirn an.
„Vielleicht solltet Ihr etwas frische Luft schnappen“, schlug er vor.
Sie nickte einwilligend und stand auf.
Der Raum drehte sich. Ihre Schritte wurden unsicher, doch sie schaffte es, den Festsaal zu verlassen. Niemand schien Verdacht zu schöpfen. Arkondir blickte ihr kurz nach, bevor er sich wieder den Gesprächen zuwandte.
Leandra suchte im Garten nach einem Moment der Ruhe, doch der Gedanke an Laaron ließ sie nicht los. Was würde er sagen? Er hatte auf sie gezählt – und sie hatte versagt. Ein beklemmendes Gefühl schnürte ihr die Brust zusammen. Sie presste die Lippen aufeinander, zwang sich zur Fassung. Die kühle Nachtluft half ihr, ihren rasenden Puls zu beruhigen. Sie atmete tief durch, ging einige Schritte den Kiesweg entlang und kehrte dann in den Saal zurück.
Mit langsamen Schritten näherte sie sich Königin Lythinda und neigte leicht den Kopf.
„Verzeiht, Majestät“, sagte sie leise.
„Ich fühle mich unwohl und möchte mich in meine Gemächer zurückziehen.“
Königin Lythinda musterte sie kurz mit einem prüfenden Blick, bevor sie nickte.
„Natürlich, Leandra. Ruht euch aus!“
Leandra verabschiedete sich, verließ den Saal und schloss die hochgewölbten Türen hinter sich. Sie durchquerte den Korridor zum Westflügel und stieg die geschwungene Treppe hinauf, während ihre Schritte leise auf den Marmorstufen verhallten.
Oben führte der Weg in einen langen, schwach beleuchteten Gang. Schließlich erreichte sie die Tür zu ihrem Schlafgemach. Ihre Hand lag bereits auf dem Griff, doch sie zögerte. Ihre Kehle fühlte sich trocken an, sie schluckte, fuhr sich unbewusst über die Handfläche. Dann, mit einem letzten Moment des Innehaltens, drückte sie die Tür auf.
Laaron wartete bereits, die Arme verschränkt, sein Blick scharf. Seine Ungeduld war deutlich spürbar.
„Hast du alles wie besprochen erledigt?“, fragte er erwartungsvoll, während sie eintrat.
Sie wich seinem Blick aus.