Raynarus und Elvoran folgten ihm. „Auch ich habe von finsteren Vorzeichen gehört. Manche Seher und Gelehrten berichten von beängstigenden Visionen und Träumen. Ich habe mit mehreren gesprochen. Es gibt auch das Gerücht, dass Gorzod Grauschwinge sich mit finsteren Kräften verbündet hat“, sagte Raynarus und setzte sich.

Er schloss einen Moment die Augen, als ob er eine innere Unruhe zu bändigen versuchte. „Ich habe selbst erlebt, wie sich die Natur verändert. In manchen Orten fliehen Tiere aus ihren angestammten Revieren, Vögel fliegen ziellos, als hätten sie die Orientierung verloren, und die Winde bringen ein dunkles Flüstern mit sich – als käme es aus einer fremden Welt. Auch die Elemente selbst scheinen aus dem Gleichgewicht geraten zu sein“, fuhr er fort.

Ein kurzes Schweigen legte sich über den Raum, nur unterbrochen vom leisen Knistern der Feuerschale. Etwas in Raynarus Worten hatte sich in Meister Drobal festgesetzt. Ein Gedanke formte sich. Alt. Vertraut. Und plötzlich erschreckend klar.

Langsam erhob er sich. Die Schatten seines Umhangs tanzten in der flackernden Glut, als folgten sie einem eigenen, unruhigen Willen. Er ging zu einem der Regale, seine Blicke huschten über die Buchrücken. In der vierten Reihe von unten glitt seine Hand langsam entlang, bis sie wie von selbst ruckartig anhielt. Er nahm ein Buch an sich, blätterte einige Zeit aufmerksam durch die Seiten und kehrte schließlich zum Tisch zurück, wo er es mit Bedacht niederlegte.

„Das Libratus Daemonae“, begann er mit gedämpfter Stimme, dann las er vor: „Xaroth, Kommandant der Ersten Legion der Finsternis. Sein Name ist wie eine alles verzehrende Flammenwand, die in längst vergangenen Zeitaltern ganze Reiche in Angst und Schrecken versetzt hat. Xaroth ist keine sterbliche Kreatur, kein Wesen aus Fleisch und Blut. Er ist lebendige Dunkelheit, geboren aus den tiefsten Schatten der Seelenwelt.“

„Eine Verkörperung von Tyrannei, Sklaverei und Verderben. Wenn er erscheint, folgt ihm die absolute Herrschaft. Unter seinem Einfluss brechen Städte zusammen, Könige knien nieder, und das Licht selbst scheint zu erlöschen. Sein Beiname, ‚Der Verbrenner der Welten‘, stammt von den Flammen der Verdammnis, die er entfesselt. Sie verzehren nicht nur die Körper der Lebenden, sondern auch die Essenz ihrer Seelen. Nichts bleibt zurück!“