Elroth zuckte zurück, als hätte ihn ein Schlag getroffen. Mit weiten Augen und kurzem Atem verkrampfte sich sein Magen. Für einen Moment rang er mit der Übelkeit. „Was… was ist mit ihr geschehen?“, presste er mühsam hervor.
Prinz Sylvian antwortete kalt: „Ich ließ sie köpfen. Dieses törichte Mädchen kehrte zurück nach Marnog Jar, denn ihre Liebe war zerbrochen.“ Sein Blick war unerbittlich. „Ich dulde keinen Verrat. Und ich dulde nicht, dass Nebelelfen ihre Heimat verlassen. Noch weniger dulde ich es, wenn junge Frauen sich verdorbenen Männern wie euch hingeben.“
Elroths Blick blieb auf den Schrumpfkopf geheftet. Für einen Moment schien ihm der Atem zu entgleiten. Er stützte sich mit beiden Händen auf die Tischplatte, als müsse er sich gegen etwas Unsichtbares stemmen. Ein feines Zittern lief durch seine Schultern. Dieses Verlangen hatte ihn schon damals vergiftet. Es war nicht wie ein Gedanke gewesen, nicht wie ein Wunsch. Es war etwas anderes – etwas Fremdes, das sich in ihn gelegt und ihn von innen heraus verändert hatte. Und er hatte es zugelassen.
Er spürte, wie sich sein Kiefer anspannte. Die Erinnerung kam mit einer Klarheit zurück, die ihm bis in die Muskeln fuhr. Er, ein Glorreicher Elf. Rein geboren. Uralten Ursprungs. Ein Sohn eines Volkes, das seit Anbeginn jeder Versuchung der Dunkelheit standgehalten hatte. Das war sein Maß gewesen. Sein Fundament. Und er war der, der es verraten hatte.
Seine Augen flackerten. Dann senkte er den Blick erneut auf den Kopf vor ihm. „Woher…“, setzte er an, doch Prinz Sylvian schnitt ihm das Wort ab – ruhig, fast beiläufig: „Von Rayla selbst. Sie hat mir alles erzählt.“ Er lehnte sich zurück, als sei das Gespräch eben erst im Begriff, angenehm zu werden.
„Sie floh aus Marnog Jar nach Druhn, voller Hoffnung auf ein neues Leben. Dort kam sie auf einem Schiff unter, das nach Irkaar fuhr. Sie erreichte die Stadt allein, ohne jemanden zu kennen, ohne Unterkunft, ohne ein einziges Goldstück. Tagelang streifte sie durch die Straßen, suchte nach Arbeit, nach einem Platz, an dem sie bleiben konnte. Doch sie fand nichts. Nur Hunger und Einsamkeit.“
Ein schmarler Zug spielte um Prinz Sylvians Mundwinkel. „Dann traf sie ihn. Einen Mann, der sich als Kaufmann aus Thir ausgab. Ein Mensch und eine Nebelelfin... ungleicher kann es nicht sein. So etwas hat es nie gegeben – nicht öffentlich. Und doch: Sie glaubte ihm. Sie verliebte sich. Natürlich war er kein Kaufmann. Schon nach kurzer Zeit zwang er sie, in einer Taverne zu dienen. Erst mit Arbeit. Dann mit ihrem Körper. Und schließlich mit Diebstahl. Er nannte es Schutz – nannte es Liebe.“