»Ich muss zurück nach Astinhod. Meine Freunde sorgen sich sicherlich um mich«, sagte Vrenli.
Nagulaj stand auf, ohne etwas zu sagen, und ging in sein Zelt, von dem er wenig später mit einer langstieligen, aus dunklem Holz gefertigten Pfeife zum Feuer zurückkehrte. Vrenli betrachtete den stierköpfigen Pfeifenkopf, dessen rote Augen zwei feurige Rubine waren.
»Die Sorge um einen Freund sollte niemals so groß sein, wie die Sorge um die eigene Bestimmung, die einem das Leben erteilt hat und der jeder von uns folgt, selbst der einfachste Mann«, erklärte ihm Nagulaj, der eine braune Kugel aus getrocknetem Harz des Mataiibaumes aus einem kleinen Beutel holte und ein Stück davon in die rundliche Öffnung der Pfeife steckte.
»Kann ich nicht mit der Schale wieder zurück nach Astinhod reisen?«, wollte Vrenli wissen.
»Das ist nicht möglich! Die Portalschalen können meines Wissens, nur von den Magiern der Insel Horunguth benutzt werden«, antwortete Nagulaj, während er das Harz mit seinem Daumen fester in den Pfeifenkopf presste.
»Das verstehe ich nicht. Die Schale hat mich doch hierher gebracht, warum sollte sie mich nicht wieder zurück nach Astinhod bringen?«, wunderte sich Vrenli, stand auf und ging in das Zelt, wo er sich in die Schale stellte und gespannt darauf wartete, dass er zurück nach Astinhod gebracht würde.
Nichts geschah.
Vrenli ging betrübt wieder hinaus vor das Zelt und setzte sich ans Feuer.
»Ich verstehe das alles nicht. Du sagst, dass nur die Magier der Insel Horunguth mit der Schale reisen können, aber weshalb befindet sie sich dann in deinem Zelt?«, stöhnte er und blickte Nagulaj fragend an.
»Das musst du Meister Drobal fragen, nicht mich. Ich nutze die Schale nicht, sie befand sich an dieser Stelle schon lange, bevor ich mein Zelt hier aufgeschlagen habe. Schon sehr lange zuvor«, antwortete Nagulaj.
Er zog einen dünnen, brennenden Ast aus dem Feuer und zündete die Pfeife damit an.
»Das ist seltsam. Seit ich Gorathdin in Abketh begegnet bin, geschehen die ungewöhnlichsten Dinge«, sinnierte Vrenli.
»Wie soll ich jemals allein auf die Insel Horunguth gelangen oder den Weg zurück nach Astinhod finden? Kannst du mich nicht begleiten, Nagulaj? Bitte!«, bat Vrenli mit flehenden Blicken.
»Meine Bestimmung ist eine andere, Vrenli. Die Reise, auf die du dich gemeinsam mit deinen Freunden begeben hast, darf nicht beeinflusst werden. Die Dinge müssen ihren Lauf nehmen, so wie es in dem Buch der Bücher geschrieben steht. Es ist mir nicht erlaubt, die Geschichte zu verändern. Meine Bestimmung ist es, dir die deine etwas näherzubringen«, antwortete er und zog an der Pfeife.
Vrenli verstand nicht, was der dunkelhäutige alte Mann ihm damit sagen wollte. Seine Gedanken kreisten um seine Freunde, die er, wie er meinte, schon das zweite Mal durch eine Unachtsamkeit in Schwierigkeiten gebracht hatte.