Als Vrenli kurz vor Mitternacht aus der Schale heraustrat, die in einem merkwürdig aussehenden, seltsam riechenden Zelt stand, verlor er kurzzeitig das Bewusstsein und als er wieder aufwachte, lag er vor einem Zelt, das aus Ziegen- und Kamelhäuten genäht war. Neben ihm brannte ein Feuer, dessen Flammen in den kalten Nachthimmel einer Wüste emporstiegen. Ihm gegenüber saß ein dunkelhäutiger alter Mann, dessen langer, weißer Bart bis auf den abgekühlten, sandigen Wüstenboden hinabreichte.

Der Weise der Wüste, wie er vom Volk der Scheddifer genannt wurde, war in das Fell eines Wüstenwolfs gehüllt und um seinen Hals hing eine Kette, an der Zähne und Krallen von verschiedenen Wüstentieren aufgereiht waren. Vrenli fuhr erschreckt hoch.

»Fürchte dich nicht, Vrenli aus Abketh! Mein Name ist Nagulaj«, enthüllte der alte Mann, der ihm mit überkreuzten Beinen gegenübersaß.

»Woher kennst du meinen Namen und wo bin ich hier?«, Vrenli blickte sich verwirrt um, aber bis auf das Zelt und das davor brennende Feuer sah er nur ein in der Dunkelheit liegendes Meer aus Sand.

Nagulaj antwortete nicht auf Vrenlis Frage, sondern begann über ein altes, wie er sagte, alles Wissen in sich tragendes Buch, in dem die Magie der Elfen aus dem Glorreichen Tal ruhe, zu erzählen. Je länger Vrenli den Erzählungen lauschte, desto mehr kam er zu der Annahme, dass es sich bei dem Buch von Wetherid, wie es Nagulaj in seiner Erzählung nannte, um das Buch seines Großvaters handeln könnte.

Vrenli stellte ihm mehrmals Fragen, doch Nagulaj antwortete nicht. Nagulaj war so in seine Erzählung vertieft, dass er mit geschlossenen Augen sprach und erst, als er am Ende angelangt war, öffnete er sie, blickte vor sich in die züngelnden Flammen des Feuers und hielt einige Augenblicke inne.

»Wenn die Sperber über uns am Himmel kreisen, wirst du nach Horunguth aufbrechen, um dort Meister Drobal zu treffen. So steht es in dem Buch der Bücher geschrieben«, verkündete er schließlich und blickte Vrenli mit seinen großen, dunkelbraunen Augen an.

»Vieles, dass du mir über das Buch erzählt hast, kommt mir so bekannt vor, als wüsste ich bereits darüber Bescheid«, offenbarte Vrenli.

»Aber ich würde wirklich gerne wissen, wie ich hierhergekommen bin, warum du meinen Namen kennst und weshalb du mir so viel über das Buch erzählt hast.«

Nagulaj antwortete nicht.

Er streifte langsam seine Kette über den Kopf und öffnete sie. Langsam glitten die kleinen verwitterten Tierknochen und Zähne auf den Wüstenboden, auf den Nagulaj schweigend blickte.