»Ich hoffe, dass die Blüten der Mondblume der Prinzessin helfen werden, damit die weite Reise nicht umsonst war«, dachte er und blickte Nagulaj fragend in dessen Augen.

Nagulaj bot ihm die qualmende Pfeife an.

»Was soll ich damit?«, fragte Vrenli schüchtern.

»Ich rauche nicht.«

Doch Nagulaj machte nur eine Handbewegung, die Vrenli zu verstehen gab, am Mundstück der Pfeife zu ziehen.

»Deine Reise zu mir war nicht ohne Grund, Vrenli aus Abketh«, erklärte Nagulaj.

Zögernd setzte Vrenli das Mundstück an seine Lippen und blickte, während er daran zog, auf den stierköpfigen Kopf der Pfeife. Mit jedem Zug, den er nahm, begannen die zwei roten Rubine immer kräftiger zu leuchten und glühten schließlich in einem feuerroten Licht.

Vrenli verspürte nach den wenigen Zügen eine wohlige, seine Muskeln entspannende Wärme. All seine Sorgen und Ängste, die er in sich trug, schienen ihn verlassen zu haben. Während er dem Lied zuhörte, das Nagulaj zu singen begann, bemerkte er, wie sich ein Gefühl der Leichtigkeit in ihm ausbreitete.

»Ich fühle mich so leicht. So leicht, als könnte ich fliegen«, sagte Vrenli, streckte langsam seine Arme aus und begann flügelschlagende Bewegungen zu machen.

Zu seiner Überraschung schwebte er plötzlich sitzend über dem Boden.

»Flieg nach Hause. Fliege in das Glorreiche Tal!«, rief ihm Nagulaj zu, worauf Vrenli immer höher, dem Himmel entgegen schwebte und schließlich über die weite Wüste DeShadin, die Sterne vor sich betrachtend, nach Thir flog, wo er die Lichter der Hafenstadt Irkaar unter sich sehen konnte.

Er flog über die Stadt hinweg in Richtung Osten, wo er nach einiger Zeit eine weite Wiesenlandschaft unter sich erblickte.

Vor ihm lagen die mächtigen Gebirgsketten, die das Glorreiche Tal umschlossen. Immer höher steuerte er auf die Gipfel der Berge zu und als er sie beinahe erreicht hatte, wurde er von einer aufkommenden Windböe erfasst, die ihn durch die Luft wirbelte. Er hatte Angst abzustürzen, Panik und Verzweiflung brachen in ihm aus. Er versuchte mit aller Kraft, gegen den Wind anzukämpfen.

Vrenli fühlte, dass er von seinem vorbestimmten Weg abgekommen war. Er flog nicht mehr auf das Glorreiche Tal zu, sondern über die nördlichen Gebirge nach Osten, über die Grenze Wetherids hinaus.

»Hilfe, Nagulaj!« rief er laut auf, denn er hatte die Kontrolle über seinen fliegenden Körper verloren.

»Kämpfe nicht dagegen an. Lass dich treiben. Hab keine Angst«, erklang Nagulajs sanfte Stimme.

Vrenli versuchte, seine Furcht zu überwinden. Er ließ sich von der Windböe immer weiter nach Südosten tragen. Als er bemerkte, dass seine Furcht unbegründet war, entspannte er sich und blickte hinab auf die karge Landschaft. Blätterlose, dünnästige Bäume, dornige Büsche und verblichenes Gras wuchsen vereinzelt auf der menschenleeren Ebene, die er überflog.