»So sei es, Brumir. Gemeinsam werden wir einen neuen Weg durch die Dunkelheit bahnen, einen Weg, der zu einem Morgen führt, in dem Eisen und Schatten im Licht einer neuen Welt glänzen«, sprach Ornux, ein Gefühl der Hoffnung in seiner Stimme, als er sich von Brumir verabschiedete.

So endete ihre Unterredung, ein Dialog zwischen Mächten, der die Grundsteine für eine mögliche Zukunft legte. Eine Zukunft, in der die Grauzwerge vielleicht nie die Minen von Ib´Agier ihr Eigen nennen würden, aber in der sie eine Rolle als Gestalter einer neuen Weltordnung einnehmen könnten. Ein Bündnis, das auf der dünnen Linie zwischen Misstrauen und Hoffnung geschmiedet wurde, trug nun die Möglichkeit in sich, die Schatten zu durchbrechen und in ein neues Zeitalter zu führen.

Vrenli wurde von einer Windböe wieder nach oben getragen.

Eine Vielzahl klein gewachsener Geschöpfe, deren silbergraue Kettenrüstungen das fade Mondlicht widerspiegelten, kletterten auf Holzleitern, die bis über den Rand des Grabens ragten, hinaus aus der Stadt der Grauzwerge. Sie folgten einem Pfad Richtung Norden, der sie zu einem gerodeten Waldgebiet führte, in dem mehrere mächtige, zerstörerische Kriegsmaschinen gebaut wurden.

Er flog mit großer Geschwindigkeit über die Katapulte, Ballisten und Angriffstürme hinweg in Richtung Norden, wo er nach einiger Zeit das Land Druhn erreichte.

Er bewegte sich weiter über ausgedehnte Wälder, offene Grasflächen, flache Wiesen, kleine Bäche und breite Flüsse in Richtung Nordosten. Es wurde deutlich kälter und die Landschaft war mittlerweile mit Schnee bedeckt.

Er konnte schon von weitem einen zugefrorenen und mit Nebel bedeckten See erblicken, in dessen Mitte eine felsige Insel lag, auf der eine aus Schwarzstein und Dunkeleisen gebaute Festung stand, über deren fünf mächtigen Türmen eine Schar schwarzer Krähen am Nachthimmel kreiste. Eisige Kälte schloss ihn ein und er begann zu frösteln. Ein unbehagliches Gefühl keimte in ihm auf, möglicherweise ein Vorzeichen drohender Gefahr.

Die Windböe ließ Vrenli langsam bis auf hundert Schritte zugleiten, als plötzlich ein schwarzer Schatten über ihm erschien. Er blickte auf und sah eine große, schwarze Krähe auf ihn zufliegen. Sie packte Vrenli mit ihren scharfen Krallen, die sich durch seine Kleidung in das Rückenfleisch bohrten. Vrenli schrie auf. Im Sturzflug raste der große Vogel mit ihm auf die vereiste Oberfläche des Sees zu. Vrenli spürte, wie sich der Griff des Vogels löste. Hilferufend stürzte er auf die Eisdecke des Sees, die durch die Wucht des Aufpralls brach.

Er tauchte in das Wasser ein und erstarrte. Langsam sank er in die tiefe Dunkelheit hinab. Der Ohnmacht nahe, schloss er seine Augen. Er versuchte, Nagulajs Namen zu rufen, doch sein Mund füllte sich sofort mit dem übelschmeckenden Wasser des Sees.