Eine warme Hand packte ihn an der Schulter. Hustend und nach Luft schnappend, öffnete Vrenli die Augen und blickte schweißgebadet auf Nagulaj, der neben ihm an der Feuerstelle vor seinem Zelt saß.

»Du hattest eine Vision. Fürchte dich nicht«, sagte Nagulaj. Vrenli, kreidebleich, brachte kein Wort über seine Lippen.

Nagulaj reichte Vrenli einen Becher Tee aus Wüstenkräutern, den dieser hastig austrank.

»Hier, iss!«

Er reichte ihm ein Stück Fruchtfleisch des Himmeltaukaktus.

Vrenli saugte die fruchtige Süße gierig in sich hinein und schreckte zurück, als ihm Nagulaj abermals die Pfeife reichte, deren Inhalt noch immer glühte.

»Es gibt noch mehr für dich zu sehen«, sagte Nagulaj sanft und drückte Vrenli die Pfeife in die Hand.

»Ich flog über Orte, Städte und Ansiedlungen, die weit im Osten lagen. Ich sah schreckliche, furchterregende Geschöpfe und Kreaturen. Sie alle bereiteten sich vor, um nach Norden zu ziehen, wo sich eine gewaltige, dunkle Festung befand, die in der Mitte eines mit Nebel bedeckten Sees lag. Diese Orte waren dunkel und böse und ich konnte den Hass spüren, den deren Bewohner in sich trugen. Was hat das alles zu bedeuten?«, erkundigte sich Vrenli bei Nagulaj, der jedoch nur mit seinem knochigen Zeigefinger auf die Pfeife zeigte.

Zögernd und mit der Angst vor dem Ungewissen, zog Vrenli nur ein einziges Mal an dem Mundstück. Er inhalierte den süßlichen Rauch tief in seine Lungen. Er musste husten und schnappte nach Luft. Zu stark hatte er an der Pfeife gezogen. Aus seinem Mund quoll der Rauch des verbrennenden Mataiiharzes und hüllte ihn ein.

Er konnte Nagulaj wegen der dichten, beißenden Rauchschwaden, die vor ihm schwebten, nicht mehr erkennen. Er schloss für einen Augenblick seine Augen.

Als er sie wieder öffnete und die letzten Rauchwolken mit einer wischenden Handbewegung vertrieb, sah er sich selbst auf einem Ast zwischen süßlich duftenden Früchten eines fremdartigen Baumes sitzen.

Er blickte hinab auf einen mit Efeu und Rosen bewachsenen, ruhigen und friedlichen Weiher, an dem mehrere stumme, weiße Steinskulpturen standen. Das Wasser in dem Marmorbecken schimmerte im violetten Licht eines funkelnden Kristalls, der am Boden des Wasserbeckens lag.

Ein seltsam aussehender Jüngling mit langen, blonden Haaren und golden schimmernder Haut saß auf einer der Stufen, die zum Beckenrand führten. Über ihm kreisten Vögel, die ein fröhliches Lied sangen. Vrenlis Blick fiel auf den gläsernen Bogen und den Köcher mit silbernen Pfeilen, die auf der Stufe lagen. Er beobachtete, wie der Jüngling ein Buch von einer der Stufen aufhob, es aufklappte und in ihm zu lesen begann.

Ende der Leseprobe

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