Xaroth schwieg kurz, als ob er Gorzods Worte abwiegen würde. Dann sprach er wieder, seine Stimme schneidend, von hintergründiger Freude erfüllt: „Du willst also nicht nur dein Volk retten, sondern die ganze Welt unterjochen? Du denkst groß, Schamane. Aber sei dir sicher – ein Pakt mit mir hat seinen Preis“, drohte Xaroth.

Der Schatten seiner Präsenz nahm zu, wurde dichter und umhüllte Gorzod. „Du wirst alles geben müssen – nicht nur deine Seele, sondern die Seelen vieler. Meine Gestaltwerdung in Fallgar wird zehn Mondzyklen in Anspruch nehmen. In dieser Zeit wirst du mich nähren, und wenn die Zeit reif ist, werde ich erscheinen und diese Welt unterjochen. Bist du damit einverstanden?“

Trotz der inneren Zweifel hob Gorzod seine geballten Fäuste vor sich. „Ich bin bereit! Sag mir, was du verlangst, und ich werde es tun“, antwortete er.

„Es gibt eine Seele der Reinheit – die wirst du mir zuerst bringen. Und ich werde dir sogar dabei helfen!“, fauchte Xaroth.

Gorzods Atem setzte kurz aus. „Welche Seele, Meister?“, fragte er vorsichtig.

„Königin Lythinda von Astinhod!“, hallte Xaroths Antwort.

Gorzods Herz raste. Was Xaroth verlangte, war fast unmöglich. Königin Lythinda war die einflussreichste Herrscherin Wetherids. Ihr Reich Astinhod lag weit entfernt von Fallgar. Ihr Heer war groß und schlagkräftig. Ihr Palast gut bewacht. Zudem war sie die Gemahlin Gorathdins, des Halbelfen, eines engen Freundes des Magiers Meister Drobal – beide einst Widersacher Erwights von Entorbis.

Seine Gedanken rangen um eine Lösung. Sein Atem wurde unregelmäßig. Er rieb sich unruhig die Hände. Sein Blick blieb auf den Flammen des Ritualfeuers haften. Die aufsteigende Hitze erinnerte ihn an das Leid seines Volkes, an die brennende Not, die sie ertrugen. Er atmete langsam aus und nickte. „So sei es!“

Die heiße Luft in der Halle wirbelte und pulsierte, als Xaroth seine Gestaltwerdung einleitete. Der Boden begann zu beben. Risse durchzogen ihn, Flammen züngelten empor. Der Übergang zur Seelenwelt verzerrte sich und vibrierte. Ein immer lauter werdendes Summen durchzog den Raum und schwoll an, bis es schließlich in einem ohrenbetäubenden Knall endete. Gorzod spürte, wie die finstere Energie des Dämons langsam in die Welt drang.

Gorzod sank auf die Knie, schwer atmend. Mit einem lauten Krachen sackte das Ritualfeuer in sich zusammen. Die einzige Spur von Xaroth war das pochende Dunkel in seinem Herzen – das unheilvolle Gefühl, dass ein Teil seiner Seele verschlungen worden war.