»Weil ich hier stehe, um dieses Versprechen zu bekräftigen. Weil ich bereit bin, dich von deinem hohen Ross zu stoßen, sollte es erforderlich sein«, antworte Ornux und ließ daraufhin die rohe, gewaltige Schattenmagie um sich herum pulsieren.
In einem plötzlichen Ausbruch von Macht, schleuderte er eine Welle dunkler Energie auf Azrakel. Der Seelenbinder, überrascht von der Entschlossenheit des Magiers, konnte nicht ausweichen. Die Energie traf ihn und sein Pferd mit solcher Wucht, dass beide zu Boden geworfen wurden.
Azrakel rappelte sich auf, sein Blick nun ernst, während er Ornux ansah.
»Du wagst es, mich anzugreifen? Du hast Mut, Schattenmagier. Vielleicht ... vielleicht ist dieses Bündnis tatsächlich von Vorteil.«
»Mut ist notwendig, um die neue Ordnung zu formen, Azrakel. Die Toten, die Wetherid hinterlassen wird, werden in deinen Diensten stehen. Zusammen können wir sicherstellen, dass diese Schlacht die letzte sein wird«, antwortete Ornux, die Dunkelheit um sich herum wieder beruhigend.
»Sehr wohl, Ornux. Ich werde dein Angebot annehmen. Aber vergiss nicht, der Preis des Verrats wäre dein Untergang«, sagte er drohend.
»Ich erwarte nichts anderes«, erwiderte Ornux.
So wurde in der Dunkelheit von Zatranos ein neues Bündnis geschmiedet, ein Bündnis zwischen Schatten und Tod. Unter der Führung von Erwight von Entorbis würde diese Vereinigung Fallgar in eine neue Ära führen – eine Ära, die auf den Seelen der Gefallenen fußte.
Im selben Moment kroch unten in der Stadt ein Heer von Untoten aus der Erde. Azrakel stieg wieder auf sein Pferd, trieb es an und sprang mit ihm den hunderten Schritten tiefen Abgrund hinab, wo er vor den Skeletten und halb verfaulten Körpern der Ritter von Zatranos landete. Unter seiner Führung zog die Armee aus der Stadt hinaus in Richtung Norden.
Die Windböe wirbelte Vrenli plötzlich so stark durch die Luft, dass er sich fast übergeben musste. Er begann, vor Panik, um sich zu schlagen. Aber schon kurz darauf beruhigte die Windböe sich wieder und trug ihn weiter nach Norden, wo er über ein mit Nebel bedecktes Moor flog, dessen modriger Gestank tief in seine Nase zog. Zunächst umhüllte ihn der Nebel so dicht, dass er nichts erkennen konnte, doch als ihn der Wind näher an den Boden gleiten ließ, sah er die Schatten groß gewachsener Gestalten, deren Augen in der Dunkelheit rot aufleuchteten.
Der Nebel wurde lichter und er erblickte eine große Anzahl von mit Blättern und Zweigen bedeckten Lehm- und Holzhütten, die auf den wenigen Stellen mit festem Untergrund standen. Er wurde nach Marnog Jar getragen, die Stadt der Nebelelfen, am Ostende des Nebelmoors. Dutzende mit Pfeil und Bogen bewaffnete Spinnen- und Echsenreiter hatten sich in der Mitte der Stadt vor der großen, mächtigen Holzskulptur einer Spinne eingefunden. Unter ihnen standen Ornux, der Abgesandte von Erwight von Entorbis, und Prinz Sylvain. Es war ein Moment, der über das Schicksal einer verborgenen Stadt hinaus das fragile Gleichgewicht der gesamten Welt zu beeinflussen drohte, in der Allianzen flüchtig und Feindschaften tief verwurzelt waren.