High Fantasy bezeichnet Geschichten, die vollständig in einer erfundenen Sekundärwelt spielen – nicht auf unserer Erde, nicht in einer alternativen Historie, sondern in einem Universum mit eigener Geografie, eigenen Völkern und eigenen Regeln. Der Begriff grenzt sich damit von Urban Fantasy, historischer Fantasy und Romantasy ab.
Die bekanntesten Vertreter – Tolkien, Martin, Jordan, Sanderson, Erikson, Hobb, Abercrombie und weitere – behandle ich in meiner Top-20-Liste der besten epischen Fantasy Bücher. Wer dagegen nach Titeln sucht, die auf keiner Standardliste auftauchen, findet in meinem Artikel Bücher wie Herr der Ringe – 10 Geheimtipps zehn Entdeckungen jenseits des Mainstreams.
Diese Liste hier besetzt die Lücke dazwischen. Zehn Serien, die erfahrenen Lesern ein Begriff sein könnten, aber auf den großen Empfehlungsseiten regelmäßig fehlen. Jede davon spielt in einer Sekundärwelt, bietet tiefes Worldbuilding und richtet sich an erwachsene Leser. Ich lese und schreibe das Genre seit über zwanzig Jahren. Das ist meine Auswahl.
1. Die Midkemia-Saga (Raymond E. Feist)
Originaltitel: The Riftwar Cycle · 30+ Bände · ab 1982 · Blanvalet/Goldmann ·
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Raymond E. Feist begann 1982 mit Magician einen Roman über einen Waisenjungen, der zum Magier wird. Was als klassische Heldenreise begann, wuchs über drei Jahrzehnte zu einem Universum, das zwei Planeten umspannt und mehr als dreißig Bücher füllt. Der Riftwar Cycle verbindet die mittelalterliche Welt Midkemia mit Kelewan, einer von asiatischen Kulturen inspirierten Zivilisation – verbunden durch magische Risse im Raum.
Feists Stärke liegt in der Breite. Über die verschiedenen Serien innerhalb des Zyklus wechseln die Protagonisten, die Konflikte und die Tonart. Die Riftwar Saga selbst ist klassische Coming-of-Age-Fantasy. Die Empire Trilogy – geschrieben mit Janny Wurts – verlagert die Perspektive auf die gegnerische Seite und erzählt politische Intrigen auf hohem Niveau.
Nicht alle dreißig Bände halten das gleiche Niveau. Aber die ersten zwei Trilogien – Riftwar Saga und Empire Trilogy – gehören zum Fundament der High Fantasy.
2. Die Drenai-Saga (David Gemmell)
11 Bände · ab 1984 · Heyne ·
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David Gemmell ist der Autor, den Soldaten lesen. Seine Drenai-Saga erzählt keine lineare Geschichte, sondern ein Mosaik aus Einzelromanen, die über Jahrhunderte verteilt in derselben Welt spielen. Die Figur, die sie verbindet, ist Druss – ein Krieger, dessen Axt und Ruf Legenden überdauern.
Gemmell schreibt kurz, direkt und ohne Ausschmückung. Die meisten Romane umfassen dreihundert bis vierhundert Seiten. Jeder Roman stellt eine Belagerung, eine Schlacht oder eine existenzielle Entscheidung ins Zentrum.
3. Die Lügen des Locke Lamora (Scott Lynch)
Originaltitel: The Lies of Locke Lamora · Gentleman Bastards · 3 Bände · Heyne ·
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Scott Lynch hat eine Serie geschrieben, die sich anfühlt wie ein Heist-Film in einer venezianischen Sekundärwelt. Locke Lamora ist ein Waisenkind, das zum begabtesten Trickbetrüger seiner Stadt wird. Er bestiehlt den Adel unter falschen Identitäten mit wochenlang vorbereiteten Betrugsmaschen.
Lynchs Stärke liegt im Dialog und in der Balance zwischen Humor und Brutalität. Die Stadt Camorr ist eine der lebendigsten Sekundärwelt-Städte der Fantasy.
4. Die Coldfire-Trilogie (C.S. Friedman)
Originaltitel: Coldfire Trilogy · 3 Bände · 1991–1995 · Bastei Lübbe ·
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Die Welt Erna wurde vor Jahrhunderten von Menschen kolonisiert. Die Zivilisation hat sich zu einer mittelalterlichen Gesellschaft zurückentwickelt, in der die Naturkraft Fae wie Magie wirkt, aber natürlichen Gesetzen folgt.
Die Trilogie erzählt die Geschichte einer erzwungenen Allianz zwischen einem Priester und einem unsterblichen Sorcerer. Friedman behandelt Fragen von Glauben, Opfer und moralischem Kompromiss mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit.
5. Die Chroniken von Amber (Roger Zelazny)
Originaltitel: The Chronicles of Amber · 10 Bände · Klett-Cotta ·
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Es gibt eine wahre Welt – Amber – und alles andere, einschließlich unserer Erde, ist nur eine Schattenprojektion davon. Die Prinzen von Amber können durch diese Schatten wandern und Realitäten nach ihrem Willen formen.
Die erste Pentalogie liest sich wie ein Thriller. Prinz Corwin stürzt sich in einen Thronfolgekrieg zwischen neun Geschwistern. Zelazny schreibt knapp, schnell und konsequent subjektiv.
Epische High Fantasy
Die Chroniken von Wetherid
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6. Die Chroniken von Wetherid (Christian Dölder)
Zyklus I: Die Gabe der Elfen · Zyklus II: Die Hüter der Sieben Artefakte · ab 2024 ·
Autorenseite
Wetherid ist eine Sekundärwelt mit über 140 Charakteren, 70 Orten und 21 Völkern. Der erste Zyklus – Die Gabe der Elfen – erzählt eine klassische Gefährtenreise gegen eine existenzielle Bedrohung. Der zweite Zyklus – Die Hüter der Sieben Artefakte – wechselt den Ton hin zu politischer Intrige, gebrochenen Bündnissen und moralischen Grauzonen.
Der Stil setzt auf funktionale, direkte Prosa ohne Pathos. Magie existiert, ist aber selten und gefährlich. Kämpfe enden schnell und unbarmherzig.
7. Die Deryni-Chroniken (Katherine Kurtz)
Originaltitel: Deryni novels · 17 Bände · ab 1970 · Heyne ·
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Die Deryni-Welt basiert auf der Geschichte des mittelalterlichen Europa. Die Deryni sind ein Volk mit magischen Fähigkeiten, das in einer kirchlich geprägten Gesellschaft lebt. Magie ist subtil und politisch gefährlich.
Kurtz' Stärke liegt in der historischen Textur: Konzile, Kirchenpolitik und Lehnswesen werden mit großer Detailtreue geschildert.
8. Wars of Light and Shadow (Janny Wurts)
11 Bände · 1993–2023 · nur auf Englisch ·
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Die Serie erzählt den Konflikt zwischen zwei Halbbrüdern – Arithon und Lysaer –, die durch eine Prophezeiung zu Feinden gemacht werden, obwohl keiner von beiden böse ist.
Wurts schreibt dicht und anspruchsvoll. Das Worldbuilding gehört zu den tiefsten des Genres und verhandelt komplexe philosophische Fragen über elf Bände hinweg.
9. Chronicle of the Unhewn Throne (Brian Staveley)
3 Bände + 1 Prequel · 2014–2016 · Heyne ·
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Drei Geschwister – Kinder eines ermordeten Kaisers – wachsen in verschiedenen Teilen der Welt auf und versuchen auf unterschiedliche Weise, das Imperium zu retten.
Drei Perspektiven, drei Subgenres innerhalb eines Buches: philosophischer Coming-of-Age-Roman, politischer Thriller und Military Fantasy.
10. The Death Gate Cycle (Weis & Hickman)
Originaltitel: The Death Gate Cycle · 7 Bände · Bastei Lübbe ·
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The Death Gate Cycle spielt in einer Welt, die nach einer magischen Katastrophe in vier Elementarreiche gespalten wurde – Luft, Feuer, Wasser und Stein. Jeder Band behandelt ein eigenes Reich, bevor die Handlungsstränge zusammenlaufen.
Jedes Reich besitzt eine eigene Physik und eigene Völker. Ein intellektuell anspruchsvoller und strukturell experimenteller Zyklus.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet High Fantasy von epischer Fantasy?
High Fantasy definiert sich über den Schauplatz: eine vollständig fiktive Sekundärwelt. Epische Fantasy definiert sich über den Umfang: große Konflikte, viele Perspektiven und mehrbändige Handlungsbögen.
Welche dieser Serien sind auf Deutsch verfügbar?
Die Midkemia-Saga, die Drenai-Saga, Die Lügen des Locke Lamora, Die Chroniken von Amber, die Deryni-Chroniken (teilweise) und Chronicle of the Unhewn Throne sind auf Deutsch erhältlich.