Ich erstelle meine Fantasy-Weltkarten nicht digital, sondern mit **Papier und Stift**. Dieser analoge Anfang zwingt mich, langsam und bewusst zu planen. Eine Karte ist für mich kein Schmuck, sondern ein Werkzeug für Orientierung, Logik und Handlung. Ohne Karte verliere ich Übersicht über Entfernungen, Grenzen und Machtbereiche.

1. Das grobe Gerüst: Funktion vor Schönheit

Ich beginne mit einer groben Skizze der Welt. Zuerst zeichne ich die großen Formen: Kontinente, Landmassen und Meere. Dabei denke ich nicht an Schönheit, sondern an Funktion. Wo kann ein Reich entstehen? Wo trennen Wasser oder Berge Völker voneinander? Diese erste Skizze ist ungenau und darf Fehler enthalten. Sie dient nur als Grundgerüst.

2. Natürliche Strukturen: Logische Geografie

Im zweiten Schritt füge ich natürliche Strukturen hinzu: **Flüsse, Wälder, Gebirge und Küstenlinien**. Flüsse entstehen logisch aus Bergen und fließen zum Meer. Wälder liegen nicht zufällig, sondern dort, wo Klima und Boden es zulassen. Danach kommen Vegetationszonen: Wüsten, Nordländer, Ebenen, Sümpfe. Jede Zone beeinflusst Handel, Krieg und Lebensweise der Bewohner.

3. Orte und politische Grenzen

Erst danach setze ich Orte ein. Städte entstehen an Flüssen, an Küsten oder an Kreuzungen von Handelswegen. Burgen liegen an Pässen, Grenzen oder strategischen Punkten. Dörfer ordne ich so an, dass Versorgung und Verteidigung sinnvoll bleiben. Ich zeichne auch **politische Grenzen** ein: Reiche, Fürstentümer, besetzte Gebiete. Diese Linien verändern sich später mit der Geschichte.

4. Konsistenzprüfung: Karte und Handlung

Während des Schreibprozesses erweitere ich die Karte ständig. Neue Orte entstehen, wenn die Handlung sie braucht. Jeder neue Ort wird sofort eingetragen. Die Karte wächst mit der Geschichte. Dabei gilt eine feste Regel: Die Karte muss zu hundert Prozent mit der Handlung übereinstimmen. **Entfernungen, Reisezeiten und Richtungen dürfen sich nicht widersprechen**. Wenn ein Heer drei Wochen marschiert, muss die Strecke auf der Karte diese Zeit rechtfertigen.

5. Die professionelle Umsetzung

Sobald meine Karte inhaltlich abgeschlossen ist, beauftrage ich einen professionellen Künstler, sie sauber umzusetzen. Meine Skizzen dienen als Vorlage. Der Künstler überträgt sie in eine klare, ästhetische Version. Wer das Talent hat, kann diesen Schritt selbst übernehmen. Ich selbst konzentriere mich auf Funktion und Logik, nicht auf künstlerische Ausführung.

Für mich ist eine Weltkarte kein Dekorationsobjekt. Sie ist Teil der Erzählstruktur. Sie verhindert Fehler, stärkt die Glaubwürdigkeit und gibt mir Kontrolle über meine Welt. Eine gute Karte entsteht nicht aus Design, sondern aus Geschichte. Nur wenn beides übereinstimmt, ist die Welt belastbar.