Fantasy-Serienplanung bedeutet für mich nicht, jede Szene im Voraus festzulegen, sondern eine **tragfähige Struktur** zu schaffen, in der sich die Geschichte entwickeln kann. Ich arbeite konsequent, logisch und geordnet. Gleichzeitig lasse ich Raum für die Muse und für Kursänderungen, wenn der Plot es verlangt. Planung ist kein Käfig, sondern ein Rahmen.
1. Anfang und Ende als Fixpunkte
Mein Ansatz ist bewusst unkonventionell: Ich plane keine Serie im technischen Sinn, sondern eine Geschichte mit mehreren Teilen. Entscheidend ist, dass ich **Anfang und Ende** kenne. Ohne diese beiden Fixpunkte fehlt mir die Richtung. Der Anfang definiert den Ausgangszustand der Welt. Das Ende definiert, was durch Konflikt, Verlust und Entscheidung erreicht oder zerstört wird.
Den Mittelteil plane ich über **Inhaltspunkte**. Das sind keine Kapitel, sondern große Entwicklungsschritte: Krieg beginnt, Bündnis zerbricht, Hauptfigur verliert Macht, neue Bedrohung entsteht. Der Mittelteil verändert sich oft, aber seine Grundrichtung bleibt bestehen. Struktur bleibt, Details sind beweglich.
2. Struktur des Einzelbandes: Keyereignisse
Für die Aufteilung in einzelne Bücher arbeite ich mit **Keyereignissen**. Jedes Buch braucht ein eigenes Ziel und ein eigenes Ergebnis. Kein Band darf nur Durchgangsstation sein. Jeder Band muss eine abgeschlossene Entwicklung enthalten: Sieg, Niederlage, Wendung oder Verlust. Offene Fragen bleiben, aber der Kernkonflikt des jeweiligen Buches wird entschieden.
3. Rhythmus und Umfang: Leserbindung
Ein wichtiger Teil meiner Planung ist der Umfang. Ich habe mich bewusst für **kürzere Bände** entschieden, meist zwischen 400 und 500 Seiten. Leser möchten Serien in überschaubaren Einheiten lesen. Eine Serie lebt von Rhythmus und Verlässlichkeit.
Mein Ziel ist klar: mindestens zwei Bücher pro Jahr, idealerweise drei. Das hält die Geschichte präsent und die Leserschaft gebunden. Serien sind kein einzelnes Werk, sondern ein fortlaufender Prozess. Planung muss deshalb auch realistisch sein. Wer eine Serie beginnt, übernimmt Verantwortung für ihren Abschluss.
4. Thematische Entwicklung und Flexibilität
Ein weiterer wichtiger Punkt ist **thematische Entwicklung**. Eine Serie darf nicht nur größer werden, sondern tiefer. Fragen von Macht, Schuld, Ordnung, Verlust und Veränderung müssen sich von Band zu Band verschärfen. Jede Fortsetzung muss zeigen, dass die Vergangenheit Folgen hatte.
Flexibilität bleibt dennoch notwendig. Wenn sich während des Schreibens ein besserer Weg ergibt, wird er genommen. Planung darf nicht wichtiger werden als Logik. Wenn eine Figur aufgrund ihrer Persönlichkeit anders handeln müsste als vorgesehen, wird der Plan angepasst, nicht die Figur verbogen.
5. Die fünf Säulen der Serienplanung
Für mich besteht Serienplanung aus fünf festen Säulen:
- Klarer Anfang
- Klares Ende
- Strukturierter Mittelteil
- Keyereignisse pro Band
- Realistische Veröffentlichungsstrategie
So entsteht keine lose Aneinanderreihung von Büchern, sondern eine zusammenhängende Geschichte mit Richtung, Entwicklung und Abschluss. Eine Fantasy-Serie ist kein Zufallsprodukt. Sie ist ein langfristiges Projekt, das nur funktioniert, wenn Struktur, Disziplin und Offenheit gleichzeitig vorhanden sind.