Urban Fantasy
In der Urban Fantasy existieren Magie, mythische Kreaturen und übernatürliche Konflikte verborgen im Schauplatz moderner Städte. Die Handlung findet nicht in verwunschenen Wäldern, sondern in U-Bahnen, Hinterhöfen und Bürotürmen unserer Gegenwart statt.
Seinen kommerziellen Durchbruch feierte das Genre Anfang der 2000er-Jahre, maßgeblich geprägt durch Jim Butchers „The Dresden Files". Butcher verknüpfte Hard-Boiled-Krimielemente mit Magie und schuf mit seinem Zauberer-Privatdetektiv Harry Dresden eine Blaupause für zahllose Nachfolger.
Ein weiterer Meilenstein ist Neil Gaimans „Neverwhere" (1996), das ein „London Below“ unter den Straßen der Metropole etablierte. Während Cassandra Clare mit „The Mortal Instruments" das Genre erfolgreich in den Young-Adult-Bereich überführte, setzte Ben Aaronovitch mit seiner „Rivers of London"-Reihe auf eine polizeilich-analytische Sicht auf das Übernatürliche.
Historical Fantasy
Die Historical Fantasy nutzt eine reale historische Epoche als Fundament und reichert diese mit Magie oder Mythen an. Der wesentliche Unterschied zur reinen Alternativweltgeschichte liegt im übernatürlichen Element: Es werden keine historischen Fakten durch Technologie verändert, sondern durch die Existenz von Kräften, die unsere echte Geschichte so nicht kannte.
Ein Meisterwerk dieser Gattung ist Susanna Clarkes „Jonathan Strange & Mr Norrell" (2004), das im England der Napoleonischen Kriege spielt und die Rückkehr der Magie in eine vergessene Gesellschaft schildert. Autoren wie Guy Gavriel Kay nutzen oft an die Renaissance angelehnte Settings, um historische Authentizität mit erzählerischer Freiheit zu verbinden.
Besonders populär ist auch die Verknüpfung von Militärhistorie und Phantastik, wie etwa in Naomi Noviks „Temeraire"-Reihe, in der Drachen als fliegende Luftwaffe die Schlachten Napoleons entscheidend verändern.
Portal Fantasy
In der Portal Fantasy gelangt eine Figur aus unserer vertrauten Welt durch einen Übergang in eine fremde Realität. Der Kontrast zwischen der Herkunftswelt und der Zielwelt mit ihren eigenen Gesetzen ist das zentrale Erzählprinzip.
C.S. Lewis etablierte mit den „Chroniken von Narnia" das bis heute bekannte Grundmuster. Interessanterweise verfolgten Lewis und sein Freund Tolkien hierbei grundverschiedene Ansätze: Während Lewis die direkte Verbindung zur realen Welt suchte, lehnte Tolkien Portale ab und bevorzugte eine vollständig isolierte Sekundärwelt ohne Berührungspunkte zu unserer Realität.
Moderne Werke wie Lev Grossmans „The Magicians" dekonstruieren dieses Muster heute oft, indem sie zeigen, dass die Flucht in eine magische Welt die psychologischen Probleme der Protagonisten nicht löst, sondern oft sogar verschärft.
Steampunk / Gaslamp Fantasy
Die Welt des Steampunk ist geprägt von Dampfmaschinen, Zahnrädern und mechanischen Apparaten, eingebettet in die Ästhetik des 19. Jahrhunderts. Hier existieren Magie und Erfindergeist oft nebeneinander in einer Welt, die industriell, aber niemals digital ist.
Den Begriff prägte 1987 der Autor K.W. Jeter, um eine Bezeichnung für die viktorianisch inspirierten Science-Fiction-Werke seiner Zeit zu finden. Während Steampunk oft den Fokus auf die Mechanik legt, verschiebt die verwandte Gaslamp Fantasy den Schwerpunkt stärker auf übernatürliche und okkulte Elemente innerhalb desselben zeitlichen Rahmens.
Herausragende Beispiele sind China Miévilles „Perdido Street Station", das industrielle Ästhetik mit biologischem Horror verbindet, oder Gail Carrigers humorvolle Verknüpfung von viktorianischer Etikette und Werwolf-Mythen.