Fantasy-Epochen strukturiere ich nicht als lose Zeitangaben, sondern als Abfolge von **Ursachen und Folgen**. Eine Epoche existiert nicht, weil Zeit vergeht, sondern weil sich Macht, Ordnung und Lebensweise verändern. Jede Epoche braucht einen Grund, warum sie beginnt, und einen Grund, warum sie endet.
1. Der notwendige Bruch: Wendepunkte definieren
Mein Ausgangspunkt ist immer ein **Wendepunkt**. Kriege, Katastrophen, Götterstürze, neue Reiche oder der Verlust von Wissen markieren den Übergang. Ich frage zuerst: Was hat die alte Ordnung zerstört? Und was ist daraus entstanden? Ohne diesen Bruch ist eine Epoche nur ein Kalenderblatt ohne Bedeutung.
2. Regel #1: Klare Merkmale der Zeit
Die erste Regel lautet: Jede Epoche braucht ein **klares Merkmal**. Eine Zeit kann vom Imperium geprägt sein, von Zerfall, von Expansion, von Glaubenskriegen oder von Wiederaufbau. Dieses Merkmal beeinflusst Politik, Architektur, Sprache, Technik und Moral. Eine Epoche ohne erkennbares Profil ist nicht unterscheidbar von der vorherigen.
3. Regel #2: Kausalität und die Kette der Geschichte
Die zweite Regel ist **Kausalität**. Keine Epoche steht für sich allein. Die Fehler der alten Zeit erzeugen die Probleme der neuen. Ein untergegangenes Reich hinterlässt Machtlücken. Ein verbotener Glaube hinterlässt Fanatiker. Ein verlorener Krieg hinterlässt Hunger und Hass. Geschichte ist eine Kette, kein Mosaik.
4. Regel #3: Menschliche Perspektive
Die dritte Regel ist **menschliche Perspektive**. Epochen existieren nicht als neutrale Begriffe, sondern als Erinnerung. Für ein Volk ist es das Zeitalter des Verrats. Für ein anderes die Zeit der Ordnung. Ich strukturiere Epochen danach, wie sie erlebt wurden, nicht danach, wie sie objektiv heißen. Dadurch entstehen widersprüchliche Geschichtsbilder, die Konflikt erzeugen.
5. Begrenzung und Einbindung in die Handlung
Die vierte Regel ist **Begrenzung**. Ich erschaffe nicht zehn gleichwertige Epochen. Ich wähle wenige große Abschnitte mit klaren Übergängen. Zu viele Zeitalter verwässern Bedeutung. Wichtig ist nicht die Anzahl, sondern die Wirkung jeder Epoche auf die Gegenwart der Geschichte.
Die fünfte Regel ist **Einbindung in die Handlung**. Epochen werden nicht als Zeitstrahl erklärt, sondern durch Folgen sichtbar: Ruinen aus alten Kriegen, Gesetze aus früheren Aufständen, Misstrauen aus vergangenen Verrätereien. Figuren handeln auf Grundlage dessen, was in früheren Zeiten geschehen ist. Geschichte wirkt in Entscheidungen hinein.
Manchmal sind erklärende Passagen nötig. Dann schreibe ich sie logisch, chronologisch und verständlich. Keine Legenden ohne Zusammenhang. Keine Mythen ohne Ursache. Jede historische Erzählung muss erklären, warum die Welt heute so ist, wie sie ist.
Für mich ist eine Fantasy-Epoche kein dekorativer Hintergrund. Sie ist ein Machtzustand der Welt zu einer bestimmten Zeit. Wer Epochen sinnvoll strukturiert, baut eine Geschichte aus Schichten: Vergangenheit formt Gegenwart, Gegenwart entscheidet Zukunft. Nur so entsteht eine Welt, die nicht nur existiert, sondern eine nachvollziehbare Geschichte trägt.